Wörter statt Zahlen
«Die Zeit friert», schreibt Aglaja Veteranyi («Wörter statt Möbel», «Der gesunde Menschenversand», 2018). Die Tage ziehen sich in die Länge, sind doch viel zu kurz und fließen ineinander. Wer weiß schon, ob heute Montag ist oder Dienstag? So vieles Gewohntes gibt es plötzlich nicht mehr zu tun, so vieles Ungewohntes gibt es plötzlich zu tun.
Ein Stapel Bücher will gelesen werden, und doch ist die Zeit zum Lesen rar, zwischen neuen Aufgaben, neuen (digitalen) Formaten und diesem neuen Alltag aus Homeschooling und Zoomcalls.
Und wie sich so langsam alles fügt und eine kleine Normalität entwickelt, ist es immer wieder dieses kleine Werk, «Wörter statt Möbel», das in die Hände fällt. Manchmal nur für einen Satz. Manchmal für eine Satzfolge: «Sie stieg in ihre Heimat, die war so groß wie eine Schuhsohle, und begann wild zu tanzen. Alle, die vorbeikamen, blieben stehen, sie blieben stehen, aber nicht richtig, sondern zitterten von einer Straßenecke zur anderen.» Immer um kurz aus einer Gedankenwelt in eine neue zu reisen.
Bei Aglaja Veteranyi dürfen und können Wörter, was sie sonst nicht können. Sie malen Bilder und beschreiben Welten und Momente, die so noch nicht greifbar waren, und ...
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Theater heute August/September 2020
Rubrik: Lektüresommer, Seite 52
von Maria Milisavljević
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