Der Regisseur kommt nicht mehr

Marius von Mayenburg «Perplex» (U, Schaubühne), Walter Mehring «Der Kaufmann von Berlin» (Volksbühne)

Theater heute - Logo

Eine der schönsten, kindlichsten, aber natürlich auch alleraltmodischsten Verabredungen im Theater ist, dass das Publikum das, was auf der Bühne erscheint, für die Dauer des Spiels als «wahr» betrachtet. Marius von Mayenburg, Hausautor, Dramaturg und mittlerweile auch Regisseur an der Berliner Schaubühne, hat eine surreale Komödie geschrieben, in der diese Verabredung von Szene zu Szene neu getroffen und mit voller Absicht bis zum äußersten strapaziert wird.

Aus den Urlaubsheimkehrern Robert und Eva werden – Tür auf, Tür zu – der fünfjährige Sohn und das Au-pair-Mädchen des befreundeten Paares Judith und Sebastian, die sich – Tür auf, Tür zu – in eine nazisympathisierende Ski-Apartment-Vermieterin und einen Cocktail schlürfenden Elch verwandeln. Und das ist nur ein Bruchteil der Rollen und Situationen, durch die der Autor und Regisseur Mayenburg sein Quartett jagt.

Und siehe: Es funktioniert. Zumindest dem Prinzip der frechen Behauptungen, die das Publikum dem Stücktitel gemäß «Perplex» machen sollen, folgt man durchaus bereitwillig. Nina Wetzels modernistisches Sitcom-Bühnenbild – Ledercouch vor verhangener Fensterfront, hinter der sich drei verschiedene Aussichten verbergen – ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Januar 2011
Rubrik: Chronik, Seite 47
von Eva Behrendt

Weitere Beiträge
Stolpern in Becketts Schuhen

So schnell geht’s: Vor einem Jahr war man noch überrascht von Nis-Momme Stockmanns berührend rückhaltloser Darstellung ohnehin antriebsarmer Söhne, die durch die Gegenwart des Vaters völlig paralysiert werden. Jetzt meint man schon, sie wiederzuerkennen. Und dennoch ist das jüngste Stück keine bloße Variation des Bekannten, sondern eher eine Mischung aus...

Eine andere Geschichte

Seit ein paar Monaten heißt Sesede Terziyan an manchen Abenden Sonia Kelich. Dann sitzen besonders viele Menschen im kleinen Zuschauerraum des stuckverzierten Theatersaals im Ballhaus an der Naunynstraße und verfolgen hin- und hergerissen, wie die kleine Person im korrekten Kostümchen zum dunkelblonden Dutt mit der Pistole in der Hand ein Rudel unbezwingbar vitaler...

Britische Ansichten

Zweimal denkt man an England in der Nacht, zweimal sitzt man dabei in Basel, zweimal spielt die Musik, zweimal ist das alles ganz anders. Denn zwei unterschiedlichere Regisseure als Christoph Marthaler und Sebastian Nübling sind kaum denkbar. Sind bei Marthaler die Menschen auf der Bühne immer schon alte, vergrübelte Seelen und alle Männer gewissermaßen die...