Der Preis des Privilegs
Als die Mauer fiel, musste er erst mal Schlange stehen: Heiner Müller war auf dem Sprung nach New York, plötzlich musste er sich hinten anstellen. Das Ende der DDR bedeutete für ihn zunächst das Ende der Privilegien. Schon 1975 war er zum ersten Mal in die USA gereist. Er blieb mehrere Monate, überzog sein Visum. Niemand rechnete mehr mit seiner Rückkehr, Ruth Berghaus hatte sein Gehalt schon storniert. Angesprochen auf das Reiseprivileg, antwortete Müller, ohne zu reisen hätte er nicht schreiben können.
Tatsächlich folgten produktive Jahre, Stücke wie «Die Hamletmaschine» oder «Der Auftrag» wären sonst so nicht entstanden. Doch Privilegien müssen bezahlt werden, wie er auf einer Konferenz über Postmodernismus in New York verkündete. Und damit auf blankes Unverständnis stieß. Sich privilegiert zu fühlen, sei einfach ein zu positiv besetztes Gefühl für Amerikaner*innen.
Das dürfte sich geändert haben. Spätestens seit Hillary Clinton 2016 in ihrem Wahlkampf den weißen männlichen Wählern zurief: «Check your privileges!» Es hat sie den Sieg gekostet und der Welt Trump beschert. Die Privilegierten wissen sich zu verteidigen. Und sei es, indem sie Unterprivilegierten weismachen, sie ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Dezember 2020
Rubrik: Bücher, Seite 49
von Alexander Karschnia
Eva Behrendt Heute Abend hätte die Uraufführung von «Mutter Vater Land» in Bremen stattfinden sollen; die Premiere musste auf zunächst unbestimmte Zeit verschoben werden. Halten Sie es so lange noch aus?
Akın Şipal Aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben. Außerdem habe ich mir gestern die Generalprobe angesehen, ich weiß also in etwa, was daraus geworden ist.
EB Wie...
Figuren:
Mutter
Vater
Alter Ego
Oma (AnneAnne)
Oma (Breslau)
Opa (Autor)
Tante
Onkel
Uroma (Breslau)
uvm.
* 1914
Alter Ego Mein Urgroßvater
1914
Er überspringt die Barrikaden
es gibt einen Knall
er rennt
JETZT GEHT ES LOS
Der Himmel verdunkelt sich
oben und unten sind nicht zu trennen
er rennt
Irgendwas saust an ihm vorbei
ein Balken
Dann springt jemand vor ihm...
Der Ende Oktober im Alter von 81 Jahren verstorbene Grafiker, Maler und Bühnenbildner war ein bildender Künstler mit literarischen Gelüsten zum Theater. Dessen Zentrum oder Herz, wie er es ausdrückte, war für ihn der Schauspieler. Zum Verständnis dieses Gedankens, meinte er, sei keine Definition der Kunst des Schauspielers nötig, «sondern es genügt die vulgäre...
