Der Preis des Privilegs

Frank Raddatz sammelt Heiner Müllers Amerikana

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Als die Mauer fiel, musste er erst mal Schlange stehen: Heiner Müller war auf dem Sprung nach New York, plötzlich musste er sich hinten anstellen. Das Ende der DDR bedeutete für ihn zunächst das Ende der Privilegien. Schon 1975 war er zum ersten Mal in die USA gereist. Er blieb mehrere Monate, überzog sein Visum. Niemand rechnete mehr mit seiner Rückkehr, Ruth Berghaus hatte sein Gehalt schon storniert. Angesprochen auf das Reiseprivileg, antwortete Müller, ohne zu reisen hätte er nicht schreiben können.

Tatsächlich folgten produktive Jahre, Stücke wie «Die Hamletmaschine» oder «Der Auftrag» wären sonst so nicht entstanden. Doch Privi­legien müssen bezahlt werden, wie er auf einer Konferenz über Postmodernismus in New York verkündete. Und damit auf blankes Unverständnis stieß. Sich privilegiert zu fühlen, sei einfach ein zu positiv besetztes Gefühl für Amerikaner*innen.

Das dürfte sich geändert haben. Spätestens seit Hillary Clinton 2016 in ihrem Wahlkampf den weißen männlichen Wählern zurief: «Check your privileges!» Es hat sie den Sieg gekostet und der Welt Trump beschert. Die Privilegierten wissen sich zu verteidigen. Und sei es, indem sie Unterprivilegierten weismachen, sie ...

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Theater heute Dezember 2020
Rubrik: Bücher, Seite 49
von Alexander Karschnia

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