Der moralische Störenfried
An Rolf Hochhuth kam man nicht vorbei, wenn man Lektor in einem Verlag, Dramaturg in einem Theater oder Programmdirektor bei Funk oder Fernsehen, einer Akademie oder eines Festivals war. Er wollte nicht nur seine Bücher verlegt und seine Stücke von allen Bühnen gespielt sehen, er trat auch als wachsamer Demokrat und Bürger in Aktion und suchte Mitstreiter, wenn es einen Altnazi oder korrupten Politiker in einer Landesregierung zu enttarnen oder einen Bauskandal zu enthüllen galt. So penetrant oder nervend seine Anklagen waren, begründet waren sie immer.
Er war ein Moralist, der hartnäckig auf die Wirkung seiner um Aufklärung bemühten Initiativen bedacht war, sich in blindem Eifer dann oft verlor und nur noch Recht behalten wollte.
Geboren wurde Hochhuth 1931 in Eschwege. Nach einer Buchhändlerlehre in Marburg und München und Abstechern als Gasthörer an der Heidelberger und der Münchner Universität arbeitete er als Lektor bei Bertelsmann in Gütersloh. Mit großem Engagement setzte er sich für Neuauflagen verfemter oder ins Abseits gedrängter Autoren ein, besonders für das Werk von Otto Flake, dessen Romane und essayistischen Werke wie das «Logbuch» oder den Lebensbericht «Es wird ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Juli 2020
Rubrik: Nachruf, Seite 35
von Klaus Völker
Zwei Kinder in einem dunklen, schmutzigen Schacht, umgeben von Leichen. Sie reden über das, was sie jetzt am liebsten hätten. Dem Jungen fallen jede Menge Leckereien ein, Hotdogs, Grillhähnchen, Wachteleier; das Mädchen wünscht sich – ein kühles Bier.
Und schon verdunkelt sich der Himmel, und am Schachteingang erscheint der fürchterliche Kopf des Fischmonsters,...
«Das Reich, lang geteilt, ganz geeint; lang geeint, ganz geteilt.»
Die Geschichte der Drei Reiche (ein klassischer chinesischer Roman), von Luo Guanzhong
«Schmerz aus zweiter Hand ist weit besser als aus erster Hand.»
Aus der Zeit fallen, von David Grossman
Figuren:
Der Außenstehende ein junger Mann in den Zwanzigern
Der Mann, der Schmerz mitansieht...
Der Titel macht keine Umstände: Eine «Spielplanänderung» wird verlangt, und zwar mit Ausrufezeichen. Im Untertitel dann gleich die nächste starke Behauptung: «30 Stücke, die das Theater heute braucht». Hier geht es nicht darum, was das Theater spielen sollte oder was ihm helfen würde, hier wird gebraucht. Simon Strauß, der Herausgeber dieser kleinen...
