Der moralische Störenfried

Der Zaunpfahl als legitimes dramatisches Instrument: ein Nachruf auf Rolf Hochhuth

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An Rolf Hochhuth kam man nicht vorbei, wenn man Lektor in einem Verlag, Dramaturg in einem Theater oder Programmdirektor bei Funk oder Fernsehen, einer Akademie oder eines Festivals war. Er wollte nicht nur seine Bücher verlegt und seine Stücke von allen Bühnen gespielt sehen, er trat auch als wachsamer Demokrat und Bürger in Aktion und suchte Mitstreiter, wenn es einen Altnazi oder korrupten Politiker in einer Landesregierung zu enttarnen oder einen Bauskandal zu enthüllen galt. So penetrant oder nervend seine Anklagen waren, begründet waren sie immer.

Er war ein Moralist, der hartnäckig auf die Wirkung seiner um Aufklärung bemühten Initiativen bedacht war, sich in blindem Eifer dann oft verlor und nur noch Recht behalten wollte.


Geboren wurde Hochhuth 1931 in Eschwege. Nach einer Buchhändlerlehre in Marburg und München und Abstechern als Gasthörer an der Heidelberger und der Münchner Universität arbeitete er als Lektor bei Bertelsmann in Gütersloh. Mit großem Engagement setzte er sich für Neuauflagen verfemter oder ins Abseits gedrängter Autoren ein, besonders für das Werk von Otto Flake, dessen Romane und essayistischen Werke wie das «Logbuch» oder den Lebensbericht «Es wird ...

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Theater heute Juli 2020
Rubrik: Nachruf, Seite 35
von Klaus Völker

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