Der Windmühlenkämpfer
Der Titel macht keine Umstände: Eine «Spielplanänderung» wird verlangt, und zwar mit Ausrufezeichen. Im Untertitel dann gleich die nächste starke Behauptung: «30 Stücke, die das Theater heute braucht». Hier geht es nicht darum, was das Theater spielen sollte oder was ihm helfen würde, hier wird gebraucht. Simon Strauß, der Herausgeber dieser kleinen Dramen-Vorstellungsrunde, die auf eine Serie in der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» zurückgeht mit Beiträgen verschiedenster Autoren*innen, ist kein Mann, der zaudert.
Auch nach dem starken Aufschlag zeigt sich der Herausgeber als Freund vollmundiger Sätze. In seinem «Prolog» wird mächtig aufgeräumt, das Auge zielt aufs Große und Ganze. Die Bundesrepublik leiste sich eine weitverzweigte theatrale Infrastruktur, «als wäre ihre Fortexistenz integraler Teil der Staatsraison». Mit kleinlichen Einwänden wie dem bundesdeutschen Förderalismus und der Tatsache, dass allein Länder und Kommunen diese Infrastruktur tragen, die mit einer wie immer gearteten Staatsraison wenig am Hut haben, hält sich Strauß’ Höhenkammblick verständlicherweise nicht weiter auf. Stattdessen konstatiert der schmerzensstrenge Beobachter eine große allgemeine ...
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Theater heute Juli 2020
Rubrik: Theaterbuch, Seite 24
von Franz Wille
Ob in Bochum, München oder Leipzig: Die Theater wagen sich vorsichtig aus dem Corona-Shutdown. Es geht wieder los!
Wäre Corona nicht gewesen, dann wäre Julia Windischbauer mit Toshiki Okadas «The Vacuum Cleaner» zum Theatertreffen nach Berlin gefahren. Hätte, wäre, würde. Ein Porträt!
Wenn die Wunde und das Wunder zusammenkommen: Kämpfe am eigenen Körper in Eni...
Zwei Kinder in einem dunklen, schmutzigen Schacht, umgeben von Leichen. Sie reden über das, was sie jetzt am liebsten hätten. Dem Jungen fallen jede Menge Leckereien ein, Hotdogs, Grillhähnchen, Wachteleier; das Mädchen wünscht sich – ein kühles Bier.
Und schon verdunkelt sich der Himmel, und am Schachteingang erscheint der fürchterliche Kopf des Fischmonsters,...
Grau verfilzte Strähnen, unter denen ein schmales, müdes Gesicht hervorschaut: Es ist ein Monstrum von Perücke, das Claire da auf dem Kopf trägt. Kein Wunder, ist sie doch seit einem Jahr und einem Tag in Quarantäne, und der nächste Friseurbesuch vermutlich noch immer weit entfernt. So lange verlottert Claire in Homeoffice-Einsamkeit – wie so viele in diesem...
