Der Windmühlenkämpfer

Simon Strauß will das Theater mit literarischer Ausgefallenheit erneuern

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Der Titel macht keine Umstände: Eine «Spielplanänderung» wird verlangt, und zwar mit Ausrufezeichen. Im Untertitel dann gleich die nächste starke Behauptung: «30 Stücke, die das Theater heute braucht». Hier geht es nicht darum, was das Theater spielen sollte oder was ihm helfen würde, hier wird gebraucht. Simon Strauß, der Her­ausgeber dieser kleinen Dramen-Vorstellungsrunde, die auf eine Serie in der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» zurückgeht mit Beiträgen verschiedenster Autoren*innen, ist kein Mann, der zaudert.



Auch nach dem starken Aufschlag zeigt sich der Herausgeber als Freund vollmundiger Sätze. In seinem «Prolog» wird mächtig aufgeräumt, das Auge zielt aufs Große und Ganze. Die Bundesrepublik leiste sich eine weitverzweigte theatrale Infrastruktur, «als wäre ihre Fortexistenz integraler Teil der Staatsraison». Mit kleinlichen Einwänden wie dem bundesdeutschen Förderalismus und der Tatsache, dass allein Länder und Kommunen diese Infrastruktur tragen, die mit einer wie immer gearteten Staatsraison wenig am Hut haben, hält sich Strauß’ Höhenkammblick verständlicherweise nicht weiter auf. Stattdessen konstatiert der schmerzensstrenge Beobachter eine große allgemeine ...

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Theater heute Juli 2020
Rubrik: Theaterbuch, Seite 24
von Franz Wille

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