Der Geist von Avignon
Untröstlichkeit. Das wird es am Ende gewesen sein. Wenn das verlorene Häuflein Marthalerseelen den Papstpalast von Avignon wieder verlässt, wie es ihn betreten hat: verschupft, sagt man in der Schweiz schön treffend, von allen guten Geistern verlassen, ein wenig armselig, verloren in Raum und Zeit. Da ziehen sie sich zurück in den klapprigen Lieferwagen, mit dem sie hergekarrt wurden, unter der unkundigen Führung von Graham F. Valentine und ein Haydn-Quartett auf den summenden Lippen, nebenbei genau dasselbe wie 1999, als sie als «Spezialisten» in Hamburg zum Überlebenstanztee baten.
Erobern sieht anders aus.
Christoph Marthaler war «Artiste associé» des Festivals von Avignon, künstlerischer Berater mit Verantwortung für einen Teil der Programmauswahl und, in erster Linie, die Eröffnungspremiere im Papstpalast. Es ist nicht immer ratsam, eine Premiere zu besuchen. Ich habe «Papperlapapp» zwei Mal gesehen, zehn Tage lagen dazwischen, und es waren zwei deutlich verschiedene Abende. Wo bei der Premiere Zuschauer lärmend die Tribünen verließen, gab es nun Szenenapplaus. Was zunächst für peinliche Reaktionen sorgte, etwa der Slapstick mit sich hebendem und senkendem Sarkophag, wieder ...
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Einen überraschenden Ausgang nahm im Frühjahr 1903 der Prozess gegen die ledige Kindsmörderin Hedwig Otte im schlesischen Städtchen Hirschberg. Das Urteil lautete «nicht schuldig», und schuld daran war nicht zuletzt der Dichter Gerhart Hauptmann auf der Geschworenenbank, der für die Angeklagte plädierte. Noch im selben Sommer entstand das Schauspiel «Rose Bernd»,...
Haben Sie sich schon überlegt, wie die Zukunft des Theaters aussehen wird? Das ist die große Frage, mit der ich mich heute beschäftigen möchte. Und jemand, der sich darüber schon Gedanken gemacht hat, war ein ganz bekannter Physiker, der nannte sich John Richard Gott der III. (der heißt tatsächlich so), und er hat nicht nur die Zukunft des Theaters sich sozusagen...
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