Anders, als man denkt

Ines Habich und Jugendliche aus Altendorf «Alles außer abhauen» (Schauspiel Essen)

«Altendorf ist da, wo es anfängt, nach Döner zu riechen. In Altendorf kann jeder Tag dein letzter sein.» Sätze wie diese schleudern die Jugendlichen zur Begrüßung Richtung Publikum und stellen dann nüchtern fest: «Altendorf ist da, wo ihr nie hingeht.» Stimmt. Selbst wenn man nur wenige Kilometer entfernt wohnt, kommt man hier nicht hin. «Dicht besiedelt und einkommensschwach», heißt es im Jargon der Städteplaner, «dreckig, verbaut, runtergekommen» könnte man auch sagen.

Doch die zwölf Jugendlichen aus Altendorf, deren Nationalitäten mindestens so zahlreich sind wie die der deutschen WM-Mannschaft, verteidigen ihren Stadtteil, machen ihm am Ende gar eine Liebeserklärung. Auch ThyssenKrupp sieht Potenzial in Altendorf, hat seine gläserne Hauptverwaltung hier angesiedelt und ist dabei, ein neues urbanes Viertel entstehen zu lassen.

Dass die Interessen von Krupp nicht unbedingt die Interessen der Jugendlichen sind, wird in «Alles außer abhauen» schnell klar. In der «dokufiktionalen Inszenierung», die Ines Habich mit den Jugendlichen entwickelt hat, verschmelzen biografische Elemente mit fiktiven Figuren, spiegeln kurze Szenen und Songs die Suche nach Freundschaft und Liebe. Der Abend ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Oktober 2010
Rubrik: Chronik, Seite 50
von Natalie Bloch

Vergriffen
Weitere Beiträge
Erhöhte Niederschlagswahrscheinlichkeit

Ein alter Mann sitzt in einem Olivenhain und schimpft. Peter Stein in Umbrien? Nein, Ödipus auf Kolonos. 13 Jahre nach seinem Zerwürfnis mit dem damaligen Intendanten Gerard Mortier kehrte der frühere Schauspiel­direktor Stein zurück nach Salzburg. In der seit Steins Zeiten von den Festspielen genutzten
Halle auf der Halleiner Perner-Insel inszenierte er «Ödipus...

Neue Stücke

Ladies first! In London war Lucy Prebble, 29, im letzten Jahr ein Shootingstar: Ihr Stück «Enron», das im Untergang des texanischen Energie-Konzerns 2001 jene Zockermentalität und Gier skizziert, die auch zur letzten Finanz­krise führte, schaffte den Sprung vom Royal Court ins kommerzielle Westend, wo es bis heute läuft. Die deutsch­sprachige Erstaufführung hat...

Klassenverhältnisse

Die Geschichte funktioniert wie ein Kippbild. Je nach Betrachtung ändert sich der Eindruck. Eine Lehrerin sieht rot, nimmt ihre Schüler in Geiselhaft und hält sie mit geladener Pistole in Schach. Der Film «La journée de la jupe» von Jean-Paul Lilienfeld paukt provokativ und polemisch als melodramatischer Thriller mit Migrationshintergrund sein Pensum durch. Dabei...