Der Gegenspieler

Solist und Solitär: Zum Tod des großen Schauspieleinzelgängers Heinz Bennent

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Glorreiche Ehrenrunde


Ein Gastspiel, natürlich, denn da hatte sich Heinz Bennent lange schon losgesagt vom Theater – zuerst von den kontinuierlichen Arbeits­zusammenhängen in einem Ensemble, dann von den festen Häusern überhaupt, die ihm stets nur vorübergehend künstlerische Basislager gewesen waren. Stattdessen vagabundierte er mit eigenen Projekten durch halb Europa, zuletzt mit Becketts «Endspiel» oder dem Tschechow-Abend «Ich bin der Mann meiner Frau». Die späten Jahre als sein eigener Tournee-Betrieb waren der Triumphmarsch eines Nachzüglers, eine glorreiche Ehrenrunde für einen, der lange verkannt worden ist und der für den ganz großen Durchbruch zu exzentrisch war, zu wenig mehrheitsfähig und alles andere als menschelnd. Sondern maß­los in seinem Anspruch an sich selbst. Und so wurde am Ende aus ihm, was der freie Geist Heinz Bennent seiner Natur nach immer schon gewesen war: ein Vagant und fahrender Rhapsode, ein Ein-Mann-Wanderzirkus. Und ein Solist. Ein achtzigjähriges Wunderkind ging da auf Konzertreise, ein Virtuose, der nur noch sich selbst an die Wand spielte. Ein Gastarbeiter – obwohl er sich wie ein solcher auch da ausnahm, wo man diesen Reisenden etwas länger aufhalten konnte. «Ich schlage keine Wurzeln», hat er einmal apodiktisch gesagt. ...

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Theater heute Dezember 2011
Rubrik: AKTEURE, Seite 34
von Christopher Schmidt

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