Helden gibt’s im Epos

Homer/Schrott «Homer Ilias/Achill in Afghanistan» am Staatstheater Stuttgart in der Arena

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Wie lässt sich die Ilias mit heutigen Kriegen verbinden? Über den Kriegsanlass wohl kaum: Selbst wenn man Michelle Obama oder Carla Bruni die Attraktivität einer schönen Helena
zusprechen würde, dürfte keiner der beiden staatenlenkenden Ehegatten wegen der Entführung seiner Frau sämtliche Verbündeten mo­bilisieren können für einen gnadenlosen Eroberungskrieg gegen den Entführer, gewissermaßen eine «Operation Enduring Marriage».

Die jüngste Stuttgarter Arbeit von Volker Lösch und seiner Dramaturgin Beate Seidel verknüpft eine Ilias-Adaption (nach der umgangssprachlichen Übersetzung von Raoul Schrott) mit Fakten zum Ifar-Einsatz in Afghanistan und Interview-Aussagen eines Bundeswehr-Veteranen: Wenn das eigentlich kriegsmüde griechi­sche Heer sich vom demagogisch geschickten Odysseus wieder aufpeitschen lässt, wird direkt danach erzählt, wie sich Soldaten mit Kriegs­erfahrung zurück in diese Extremsituation sehnen. Wenn Agamemnon einen sich ergebenden Trojaner hinmetzelt, wird berichtet, wie ein
Vorgesetzter die Schändung der Leichen von Bombenattentätern kommentiert: «Ihr könnt sie auch anzünden, ist mir egal.» Und wenn nach der großen Schlacht Griechen und Trojaner ihre Gefallenen ...

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Theater heute Dezember 2011
Rubrik: CHRONIK, Seite 51
von Andreas Jüttner

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