Der Blick nach innen
Ich habe das Theater immer sehr geliebt, und dennoch gehe ich fast nie mehr hin. Das ist ein Wandel, der mich selbst befremdet. Was ist geschehen? Wann ist es geschehen? Habe ich mich verändert? Oder das Theater? Liebe ich es nicht mehr, oder liebe ich es zu sehr?», fragt sich der ehemalige leidenschaftliche Theater -gänger Roland Barthes, als er sich, älter geworden, von seinem Lieblingsmedium abwendet.
Barthes schrieb über die Theateravantgarde in Frankreich nach dem Mai ’68, über «die Avantgarde als Impfstoff» oder «Avignon im Winter», aber vor allem schrieb er über das, was er verehrte: das epische Thea -ter von Bertolt Brecht. Seit den 1960er Jahren war dann Schluss damit, er ging nicht mehr ins Theater, er schrieb nicht mehr darüber. Hatte er gesehen, was es zu sehen gegeben hat?
Ungefähr zur gleichen Zeit wird in Frankfurt am Main ein Stück namens «Publikumsbeschimpfung» aufgeführt von einem damals noch unbekannten (und heute zu Recht sehr umstrittenen) Autor namens Peter Handke.
Es wurde uraufgeführt von einem Regisseur, der sich heute selbst einer «Intendantenbeschimpfung» ausgesetzt sieht, Claus Peymann. Doch damals, kurz vor den Protesten der 1968er Bewegung in ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Jahrbuch 2022
Rubrik: Neue Stücke, Seite 146
von Valerie Göhring
Viel hatte die Freie Szene sich vorgenommen nach dem ersten Schock der Pandemie. Ansätze für strukturelle Veränderungen hatte es schon vorher gegeben. Die Missstände waren seit Langem bekannt und die Konzepte, um sie zu bearbeiten, lagen schon in den Schubladen. Nun sollten sie endlich auch umgesetzt werden. Ein Wendepunkt?
Darauf haben wir auch bei den Impulsen...
und dort wo die seelenplatten sein sollten ist eine ausgebrannte vernarbte landschaft
Thomas Köck
Wir befinden uns inmitten einer Woge von Solastalgie. Tag für Tag verstärkt sich der dystopische Eindruck einer verschwindenden Natur. Solastalgie bezeichnet den Schmerz, den man erlebt im Augenblick der Erkenntnis, dass der Raum, den man bewohnt, angegriffen wird,...
I wanted a mission and for my sins they gave me one.» Das ist eines der beiden Zitate, die das Autor:innenduo Sokola/Spreter ihrem Stück «Farn Farn Away» vorangestellt hat. Wie Captain Willard aus «Apocalypse Now» haben die beiden Frauen Maura und Ich den Auftrag, sich in eine unwirtliche, nach-katastrophische Urwaldgegend weitab der Zivilisation zu begeben, um...
