Ein Mensch kommt rein und macht was kaputt
I wanted a mission and for my sins they gave me one.» Das ist eines der beiden Zitate, die das Autor:innenduo Sokola/Spreter ihrem Stück «Farn Farn Away» vorangestellt hat. Wie Captain Willard aus «Apocalypse Now» haben die beiden Frauen Maura und Ich den Auftrag, sich in eine unwirtliche, nach-katastrophische Urwaldgegend weitab der Zivilisation zu begeben, um jemanden zu finden. Und wie Willard sind die geübten Bankräuberinnen nicht frei von dunklen Seiten und philosophischem Erkenntnis- und Mitteilungsdrang. «Wir wollen finden, finden, finden. Einen Zusammenhang.
Einen Zusammenhang. Zwischen dem, was uns treibt, also Wolken. Was uns festhält, also Gebirge.» Und sie sollen, ganz handfest, für DIE ORGANISATION herausfinden, was mit dem Wissenschaftler Arne geschehen ist, der alleine auf einer Forschungsstation für sie gearbeitet und irgendwann kein Lebenszeichen mehr von sich gegeben hat. Maura und Ich haben den Job wegen ihrer Schulden angenommen, mit Schuld beladen. «Ich hasse die Wildnis. / Sie ist so schrecklich unpräzise.» Die Umwelt, durch die sie bis hinter den Horizont gelangen müssen, scheint grundsätzlich am Ende zu sein: «Und immer wieder Brände. Brände. Brände … Einer ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Jahrbuch 2022
Rubrik: Neue Stücke, Seite 162
von Remsi Al Khalisi
Wer hätte vor wenigen Jahrzehnten gedacht, dass die westlichen Demokratien sich bald von innen auszuhöhlen beginnen? Dass rechte Bewegungen einen bedenklichen Zuwachs bekommen? Dass Gestalten nach oben geschwemmt werden, die auf Wahlergebnisse und zivile Umgangsformen pfeifen? Dabei wurde nach dem Fall der Mauer bereits das Ende der Geschichte ausgerufen – was...
Als ich im Jahr 2004 im Schauspielhaus Bochum in einen Lift auf den Weg nach oben Richtung Intendanz stieg, stand da ein Edding-Graffiti: «Don’t cry – work». Schon damals fand ich diese neoliberale Selbstausbeutungsdevise ziemlich strange und widerlich. Der Spruch passte perfekt in ein Haus mit brüllendem Intendantenchef, der später die Schauspielstudentinnen mit...
Beeinflusst durch die gegenwärtig in der Gesellschaft und also auch an den Theatern verhandelten Themen wie Teilhabe, Geschlechtergerechtigkeit, Rassismus, Identität und Repräsentation haben wir unser Performance-Kollektiv aufgelöst. Geplant war ein Jubiläum. Es wurde ein Abschied. Die Bairishe Geisha wurde letztes Jahr 21. Sie war gleichzeitig Corporate Identity...
