Endlich wieder stattfinden!
Viel hatte die Freie Szene sich vorgenommen nach dem ersten Schock der Pandemie. Ansätze für strukturelle Veränderungen hatte es schon vorher gegeben. Die Missstände waren seit Langem bekannt und die Konzepte, um sie zu bearbeiten, lagen schon in den Schubladen. Nun sollten sie endlich auch umgesetzt werden. Ein Wendepunkt?
Darauf haben wir auch bei den Impulsen gehofft und bereits im April 2020 mit der Arbeit an dem Buch «Lernen aus dem Lockdown?» begonnen, das im Oktober desselben Jahres erschienen ist.
Bewusst haben wir die Hoffnung auf ein Lernen mit einem Frage -zeichen versehen. Zunächst schien sie sich zu erfüllen, zumindest was den langgehegten Wunsch anging, den Produktionsdruck zu lindern und die Künstler:innen wirtschaftlich besser abzusichern: Fleißig entwickelten die Förderer neue Programme, fleißig stellten die Künstler:innen ihre Anträge. Langfristiges Produzieren sollte ermöglicht werden, Nachhaltigkeit – nicht nur im ökologischen Sinne – ein zentrales Anliegen neuer Förderprogramme werden. Das wurde in vielen Fällen auch umgesetzt.
Doch kaum war eine Art von pandemischem Normalzustand eingetreten, gab es kein Halten mehr. Verständlicherweise wollten die ...
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Theater heute Jahrbuch 2022
Rubrik: Transformation, Seite 83
von Haiko Pfost
Als ich an diesem zukünftigen Abend ins Theater ging, fiel mir zuerst eine Gruppe auf, die sich vor dem Theater austauschte. Sie waren alt und jung, sprachen angeregt und respektvoll miteinander. Aus Gesprächsfetzen nahm ich wahr, dass es sich teils um dem Theaterbetrieb zugehörige Personen einer Künstlerischen Leitungsgruppe handelte, teils um außenstehende...
Hier bleibt alles, wie’s ist: Das heißt, es wird schlimmer …», stellt Caren Jeß ihrem Stück im Prolog voran. «Die Walküren» – bei ihr, die das Stück aus dem Chor der neun mythologischen Wesen heraus denkt, explizit im Plural – nimmt deutlich Bezug auf Richard Wagners fast gleichnamiges Musikdrama und ist doch mehr als eine Überschreibung. Jeß potenziert den Stoff,...
Es ist Anfang der 2000er, ich bin Anfang 20 und habe einen der begehrten Ausbildungsplätze bekommen. Ich studiere Schauspiel. Ich bin überglücklich. Mir fällt eine Tabelle in die Hände, aus der ersichtlich ist, dass ich trotz eines Studiums weit weniger verdienen werde als andere Leute am Theater, auf und hinter der Bühne. Erstmal egal. Ich brenne für meinen Beruf.
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