Denken ist sexy
In der Wiese gelegen, geraucht und geschaut. Am Seeufer, das Treiben der Gänse im Blick. Was für ein verführerischer Gedanke, dass dieses Idyll schon Wissenschaft sein könnte. Er sei von Natur aus ein fauler Mensch, gestand Konrad Lorenz in seinem bekanntesten Buch «Er redete mit dem Vieh, den Vögeln und den Fischen». Das ganze Geheimnis seiner Arbeit liege im vorurteilsfreien Blick auf die Natur. Das war natürlich kokett.
Als der junge Biologe in seinem Elternhaus in Altenberg bei Wien die Beobachtung von Graugänsen, Dohlen und vielen anderen seiner ungewöhnlichen Haustiere aufnahm und mit der «Prägung» von Küken und den «Übersprungbewegungen» von Käfigvögeln erste Beispiele für angeborenes Instinktverhalten entdeckte, hatte Lorenz längst selbst seine Prägung erfahren.
Selma Lagerlöfs «Wunderbare Reise des kleinen Nils Holgersson mit den Wildgänsen» hatte ihn für sein künftiges Wappentier, sein Lehrer Philipp Heberdey (ausgerechnet ein katholischer Pater) für Darwins Evolutionstheorie begeistert. Einmal angenommen, dass das Verhalten von Tieren und Menschen in Grundzügen ebenso erblich bedingt sein könnte wie ihre Anatomie – mit dieser Spekulation nahm Lorenz’ neuer Blick auf die ...
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