Die furchtlose Liebe zum Ländle

«Theater der Welt» 2005 in Stuttgart setzt auf hohe Heimat-Quote – über das erste schwäbische Musical, den Virus in uns, örtliche Puppenspieler und auswärtige Bauchredner, über den «Kirschgarten» aus Moskau und einen Briefkasten, nah dem Pentagon

Theater heute - Logo

Stuttgart hat eine beneidenswerte Mitte, mit Neuem Schloss, Landtag, Oper, Schauspielhaus, Württembergischem Kunstverein und neuerdings dem Glaskubus des Kunstmuseums, alles im oder am Schlosspark, mit flachem See, viel Rasen, im Sommer dicht bevölkert. Während «Theater der Welt» ist auch der See bevölkert, bestückt mit einem Steg, auf dem Steg eine Bar, Sitzschalen, Tanzfläche und eine Bühnenskulptur, mit bunten Lichtern.

Kess wurde eine Hafenbar installiert im Treffpunkt Kunstverein, und auf dessen sonst so öder Rasenfläche zum See hin entbrennt allabendlich ein kommunikativer Kampf um die rot-weiß gestreiften Liegestühle. 

 

Aus der Mitte Stuttgarts heraus wurde auch gedacht. Württemberg war früher Auswanderungsland, viele Schwaben emigierten in die USA – schon entdeckte Festivaldirektorin Marie Zimmermann den Stuttgarter Binnenhafen als Spielort und schickte den Fotografen A.T. Schaefer auf große Schiffsreise «Neckar aufwärts – New York voraus». Das geht tatsächlich, von hier per Schiff nach New York. Schaefers klare, schöne Nah- und Fernsichten sind optische Kennung des Festivals und verleihen ihm die weltläufig maritime Note. 

 

Die schwäbische Regierungshauptstadt hat bei ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute August/September 2005
Rubrik: Festivals Theater der Welt, Seite 11
von Ulrike Kahle

Vergriffen
Weitere Beiträge
Scheitern am Erfolg

Nach der Lektüre von Günter Grass’ so genanntem Wenderoman wäre man nicht gleich darauf gekommen, aber die Verfilmung bringt es an den Tag: Die «Unkenrufe» scheinen wie geschaffen fürs öffentlich-rechtliche Fernsehen. Die Hauptpersonen sind schon etwas reifer, mithin im genau richtigen Alter für den Durchschnittszuschauer von ARD und ZDF; die Handlung bereitet ein...

Denken ist sexy

In der Wiese gelegen, geraucht und geschaut. Am Seeufer, das Treiben der Gänse im Blick. Was für ein verführerischer Gedanke, dass dieses Idyll schon Wissenschaft sein könnte. Er sei von Natur aus ein fauler Mensch, gestand Konrad Lorenz in seinem bekanntesten Buch «Er redete mit dem Vieh, den Vögeln und den Fischen». Das ganze Geheimnis seiner Arbeit liege im...

Vermessungen der Liebe

Auch wenn es für derartige Prognosen vielleicht noch etwas früh ist, Sarah Kanes schmales Werk dürfte aller Voraussicht nach zu dem Wenigen gehören, was von der Dramatik der neunziger Jahre bleiben wird – eine Entwicklung, die es mit sich bringt, dass die fünf Stücke, die zum Zeitpunkt ihrer Entstehung wie explosives Gefahrengut in der schmuddelbunten Welle der...