Das wilde Tier in Euch
Wenn ich mit Kollegen aus der «Kunstblase» in verschiedenen Ländern darüber spreche, wie lange die Emanzipation der Ukrainer vom imperialen Einfluss Russlands dauert, treffe ich seltener auf Ablehnung oder Unverständnis als auf eine unaussprechliche Schwere und Trauer. Eine unsagbare geistige Trägheit.
Heißt das, dass man alles neu lernen muss, das Brillenglas austauschen? Dass man für eine gewisse Zeit wieder zum Anfänger wird, dies akzeptiert und offen zugibt, wenn man etwas nicht weiß? Ich erinnere mich noch gut an meine Angst, als ich vor zehn Jahren als externe Studentin sehr schnell lernen musste, in meinem Kopf Platz zu schaffen für Unmengen neuer Informationen, die es zu verarbeiten galt. Erinnere mich, wie es ist, mit einer Magister- und Doktorarbeit in Kunstgeschichte den giftigen Stachel der Russifizierung schmerzhaft zu spüren, sein gesamtes bisheriges Wissen wieder aus sich herauszuprügeln und praktisch intellektuell nackt zurückzubleiben. Mechanismen und Methoden zu kennen, aber ohne Fakten, ohne passendes Brillenglas.
Das Gefühl ist sehr unangenehm. Noch gestern warst du Kunsthistoriker, Literaturwissenschaftlerin, Kuratorin, Dirigent, Autor, Historiker, einer der ...
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Theater heute Jahrbuch 2024
Rubrik: Streitstoffe, Seite 76
von Olena Apchel
Deutschsprachige Erstaufführungen
A
Ayad Akhtar
Der Fall McNeal (Burgtheater Wien)
François Archambault
Erinnerungen von morgen (Landestheater Rudolstadt)
Annalisa Arione und Dario de Falco
Geschichte eines Nein (Theater Heilbronn)
B
Alexandra Badea
Aus dem Schatten: Thiaroye (Schauspiel Köln)
Sarah Berthiaume
Wollstonecraft (Theater Freiburg)
Alice Birch nach...
Vor ein paar Wochen hatten wir die Leseprobe eines Stücks, dessen Probenstart für November angesetzt war. Der künftige Regisseur saß dabei mit seiner künftigen Besetzung, dem Übersetzer, der Dramaturgie und der Intendantin. So werden oft künstlerische Entscheidungen bei uns in Tel Aviv getroffen. In diesem Fall schienen sich alle anwesenden Kollegen in das Stück...
Endlich erhält in den letzten Jahren die Frage, wie Menschen mit Behinderungen in den Theatern sichtbar werden und aktiv vorkommen können, zunehmend die dringend gebotene Aufmerksamkeit im deutschsprachigen Diskurs. Gleichzeitig gibt es bisher noch immer wenige dramatische Texte, die sich mit dem Komplex Inklusion auseinandersetzen. Der 1987 in Bochum gebore -ne...
