Das Team aus der ersten Reihe
Im Winter 2014 lud die Basler Kulturbehörde zur Vorstellung des designierten Intendanten ins Kunstmuseum Basel. Es war ein halböffentlicher Anlass, gemünzt auf die leidenschaftlichsten Theatergänger und stadtbekannten Influencer. Es gab eigentlich auch gar kein Geheimnis mehr zu lüften, ein gewisser Andreas Beck aus Wien sollte das größte Dreispartenhaus der Schweiz übernehmen, soviel war bekannt. Wien kannte jeder im Saal. Den Namen Beck die wenigsten. Dass er ein ziemlich kleines Schauspielhaus mit einem ziemlich exzellenten Ruf leitet, hatte sich in Basel aber herumgesprochen.
Jedenfalls war der Andrang überwältigend. Offensichtlich wollte tout Bâle den Mann sehen, der die bis zum Überdruss beklagte Krise im Basler Schauspiel vergessen machen sollte. Tout Bâle, so nennt man in Basel vornehm all jene, die in der Stadt Rang und Namen und Kunstsinn haben.
Jemand muss damals versäumt haben, Andreas Beck zu warnen, dass die Leute mindestens eine Bergpredigt von ihm erwarten würden. Beck dachte eher an einen lockeren Talk. Es gab aber keinen Talkmaster. Nur das Mikrofon, ihn und ein paar hundert selbst ernannte Findungskommissionsmitglieder, die den Neuen an seinen Versprechungen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Jahrbuch 2018
Rubrik: Theater des Jahres, Seite 135
von Stephan Reuter
Victory Condition» beginnt mit einem freundlichen «Hallo». Ein Mann spricht mich an, erzählt, was er weiß über mich, über mein Leben mit geliebten Menschen, über Glücksmomente und plötzlich einbrechenden Schrecken, über meine Ängste und mein Vertrauen. Der Mann kennt mich, denn er ist wie ich.
Nein, er spricht nicht mit mir. Der Mann ist ein Sniper und liegt...
Anta Helena Reckes «Mittelreich» – die Wiederholung der Inszenierung einer weißen Regisseurin mit einer weißen Besetzung durch eine schwarze Regisseurin mit einer schwarzen Besetzung – berührt mich und meine Theorie als Theaterwissenschaftlerin, meine Praxis als Dramaturgin und meinen Alltag als schwarze deutsche Frau im deutschen Theaterbetrieb auf vielen Ebenen:...
In gesellschaftlichen Diskursen wird derzeit wiederholt die Figur der Flut bemüht, um das Bild des Eindringens «fremder» oder neuer Menschen und Ideen in eine bestehende Ordnung zu zeichnen. Je nach politischer Fasson wird dieses Eindringen als Bedrohung einer heilen Welt oder als Chance einer Erneuerung begriffen. Auch die Frage nach «neuen» Narrativen, Praktiken...
