Das Heilige und das Profane

Enis Maci im Gespräch über ihr neuen Stück «WUNDE R»

Theater heute - Logo

Eva Behrendt In der Münchner Fassung ist der Chor verschwunden. Welche Funktion hat er in «WUNDE R»?

Enis Maci Die Gemeinschaft von Ichs, die sich im Wohnzimmer der Derwischin Ha­tixhe versammeln, einer tatsächlichen Pilger­innenstätte in Tirana, ist eine heterodoxe. Da sind undogmatische Glaubenspraxen, eine gewisse Planlosigkeit. Das Gemeinsam-Sein, das man dort erleben kann, das auf dem Theater zum Gemeinsam-Sprechen wird, hat wenig mit einem antiken, monumental-starken Chor zu tun. Es blitzt eher auf, flüchtig.

EB Am Ende des Stücks reflektiert eine Erzähler*innenstimme, wie problematisch es ist, hier ein Wir zu formulieren. Dennoch scheint sich das Stück auf die Möglichkeit eines Wirs zuzubewegen.

Maci Viele meiner Arbeiten kreisen um dieses Wir-Sagen. In «WUNDE R» wollte ich eher dessen Voraussetzungen klären. Es sprechen mögliche Pilgerinnen, die sich an diesem Ort aufhalten, gemeinsam, nebeneinander und trotzdem allein, die sich dort im intimsten aller möglichen Gespräche versenken: dem Gebet. Es sprechen potenzielle, alternative Heilige, Empfängerinnen von Fürbitten. Das Stück ist auch ein Versuch, der Frage nach dem «Ich» auf den Grund, oder auf ein paar ihrer Gründe zu ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute August/September 2020
Rubrik: Aufführungen, Seite 9
von Eva Behrendt

Weitere Beiträge
Bilder, die bleiben

Vom 23. Juli an hätten die Olympischen Spiele in Tokyo stattgefunden. Wie so vieles andere auch wurden sie vorerst abgesagt. Hier drei Lektüre-Vorschläge für drei ganz verschiedene Reisen in das Land der aufgehenden Sonne.

Beginnen wir mit einem Buch, das mir sehr am Herzen liegt: die «Japanische Chronik» von Nicolas Bouvier. Ursprünglich wollte ich es als Podcast...

DOKUTheater: Im embryonalen Ausnahmezustand

Erster Ratschlag: Kommen Sie nicht zu knapp. Sie müssen noch Hände desinfizieren, Meldezettel ausfüllen, Einbahnwegesysteme verstehen, immer brav Abstand halten. Und es schwitzt sich so schlecht unter der Atemschutzmaske. Dieser Tipp gilt für werdende Theatergänger in pandemischen Zeiten.

Zweiter Ratschlag: Hören Sie aufmerksam zu. Sie müssen noch Hände in Unschuld...

Das große Gebrösel

Der Investitionsstau öffentlicher Ausgaben infolge der deutschen Sparpolitik in den letzten zwei, drei Jahrzehnten hat bei den Theatern zu einem fatalen Sanierungsstau geführt. Etwa 80 Prozent der mehr als 300 öffentlich geförderten Häuser gelten als sanierungs­bedürftig, etwa 40 werden aktuell renoviert. Über die weiteren 1000 privaten Theater gibt es keine...