DOKUTheater: Im embryonalen Ausnahmezustand

«Global Belly», der erste Artist-in- Residence-Beitrag von Flinn Works für das Theater Freiburg

Erster Ratschlag: Kommen Sie nicht zu knapp. Sie müssen noch Hände desinfizieren, Meldezettel ausfüllen, Einbahnwegesysteme verstehen, immer brav Abstand halten. Und es schwitzt sich so schlecht unter der Atemschutzmaske. Dieser Tipp gilt für werdende Theatergänger in pandemischen Zeiten.

Zweiter Ratschlag: Hören Sie aufmerksam zu. Sie müssen noch Hände in Unschuld waschen, Papierkram erledigen, Gesetzeslücken verstehen, immer brav die Agenten auszahlen.

Und man kommt in Ländern wie Indien oder der Ukraine ziemlich ins Schwitzen, bis man endlich mit Wunschbaby im Arm in den Flieger steigt. Der Tipp gilt für werdende Eltern in Zeiten der transnationalen Leihmutterindustrie. Dieser graue Markt kennt auf den ersten Blick nur Win-win-Situationen – sowie Gesetzgeber, die das nicht wahrhaben und daher im allseitigen Einvernehmen betrogen werden wollen. Zuvorderst die Embryonenschützer im deutschsprachigen Raum. Von Risiken und Nebenwirkungen schweigen wir zunächst, das schont die Kundenseele, ist unter Marktführern üblich – und auf Seiten der Tragemutter fehlt es ja keineswegs an klinischer und pharmakologischer Begleitung. Wir leben schließlich nicht in der Steinzeit, sondern dürfen mit ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute August/September 2020
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Stephan Reuter

Weitere Beiträge
Vorschau - Impressum (8/9/2020)

James Graham ist der zur Zeit pro­duktivste politische Autor im britischen Theater und hat dafür im ungewöhnlich zarten Alter von 38 Jahren gerade einen royalen Ritterorden erhalten – ein Porträt

Rainald Goetz hat gründlich recherchiert: Auf den Tag genau 19 Jahre nach den Terror­anschlägen auf das New Yorker World Trade Center wird sein neues Stück «Reich des...

Internet-Theater: Im Bett mit Gob Squad

Zynisch. Vor etwas über einem Jahr verabschiedeten sich Gob Squad mit «I Love You, Goodbye (The digital detox edition)» symbolisch vom Internet, ließen das Publikum im Düsseldorfer FFT eine Nacht lang spüren, wie es ist, auf ständige Erreichbarkeit zu verzichten, auf Internet, Handy und Apps. Erkenntnis: Es ist durchaus eine Her­ausforderung, Gemeinschaft auf...

Das Heilige und das Profane

Eva Behrendt In der Münchner Fassung ist der Chor verschwunden. Welche Funktion hat er in «WUNDE R»?

Enis Maci Die Gemeinschaft von Ichs, die sich im Wohnzimmer der Derwischin Ha­tixhe versammeln, einer tatsächlichen Pilger­innenstätte in Tirana, ist eine heterodoxe. Da sind undogmatische Glaubenspraxen, eine gewisse Planlosigkeit. Das Gemeinsam-Sein, das man dort...