DOKUTheater: Im embryonalen Ausnahmezustand
Erster Ratschlag: Kommen Sie nicht zu knapp. Sie müssen noch Hände desinfizieren, Meldezettel ausfüllen, Einbahnwegesysteme verstehen, immer brav Abstand halten. Und es schwitzt sich so schlecht unter der Atemschutzmaske. Dieser Tipp gilt für werdende Theatergänger in pandemischen Zeiten.
Zweiter Ratschlag: Hören Sie aufmerksam zu. Sie müssen noch Hände in Unschuld waschen, Papierkram erledigen, Gesetzeslücken verstehen, immer brav die Agenten auszahlen.
Und man kommt in Ländern wie Indien oder der Ukraine ziemlich ins Schwitzen, bis man endlich mit Wunschbaby im Arm in den Flieger steigt. Der Tipp gilt für werdende Eltern in Zeiten der transnationalen Leihmutterindustrie. Dieser graue Markt kennt auf den ersten Blick nur Win-win-Situationen – sowie Gesetzgeber, die das nicht wahrhaben und daher im allseitigen Einvernehmen betrogen werden wollen. Zuvorderst die Embryonenschützer im deutschsprachigen Raum. Von Risiken und Nebenwirkungen schweigen wir zunächst, das schont die Kundenseele, ist unter Marktführern üblich – und auf Seiten der Tragemutter fehlt es ja keineswegs an klinischer und pharmakologischer Begleitung. Wir leben schließlich nicht in der Steinzeit, sondern dürfen mit ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute August/September 2020
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Stephan Reuter
Ob sie das immer macht, wenn sie alleine ist? Oder ist es ein Spleen aus den langen einsamen Wochen des Lockdowns? Die Bühne im Bochumer Schauspielhaus hat sich verselbständigt. Minutenlang spielt sie ganz allein und in Perfektion: Schwere Bühnenzüge gleiten mit angeberischer Leichtigkeit auf und ab, formieren sich zu Rahmen, Treppen, endlosen schwarzen Ebenen,...
Seine populärste Rolle war 1993 der die deutsche Wiedervereinigung ewig bemeckernde Motzki in der gleichnamigen Fernsehserie von Wolfgang Menge. Jürgen Holtz war in dieser komischen Rolle besonders überzeugend, weil hier ein mit allen Wassern gewaschener echter Herzensossi den Besserwessi verkörperte. Alle Rollen, ob Könige, Arbeiter oder Wissenschaftler, spielte...
Nach dem Urteil im erneuten Schauprozess gegen Kirill Serebrennikov (siehe Th 5/18 und 12/18) wegen angeblicher Veruntreuung von Fördergeldern war zunächst die Erleichterung groß. Statt der vom Staatsanwalt geforderten sechs Jahre Lagerhaft für den Regisseur und Leiter des Moskauer Gogol Centers gab es nur drei Jahre auf Bewährung und 10.000 Euro Geldstrafe. Die...
