Bilder, die bleiben

Wann Literatur wirklich gelungen ist, und was die Bücher von Nicolas Bouvier, Ken’ya Hara und Katsuhiro Otomo damit zu tun haben

Theater heute - Logo

Vom 23. Juli an hätten die Olympischen Spiele in Tokyo stattgefunden. Wie so vieles andere auch wurden sie vorerst abgesagt. Hier drei Lektüre-Vorschläge für drei ganz verschiedene Reisen in das Land der aufgehenden Sonne.

Beginnen wir mit einem Buch, das mir sehr am Herzen liegt: die «Japanische Chronik» von Nicolas Bouvier. Ursprünglich wollte ich es als Podcast für den Schweizer Rundfunk SRF produzieren, bevor Corona nicht nur die Theater-, sondern auch die Hörspielproduktion on hold setzte. Nicolas Bouvier war ein Genfer Schriftsteller.

Und er hat erlebt, was Millionen von Menschen heute auf gefilterten Bildern auf Instagram behaupten: Er ist gereist, und er hat dabei sich und die Welt erfahren. Und zwar wortwörtlich.

1953 hat er sich mit seinem Freund, dem Zeichner Thierry Vernet, in einen kleinen Fiat 500 gesetzt und ist losgefahren. So weit der Wind, oder der Motor, oder die Sehnsucht die beiden treibt. Und das war weit: Bis nach Sri Lanka hat es Bouvier verschlagen, nach zwei Jahren auf Achse. Und das in einer Zeit, wo die Welt in West und Ost geteilt und Grenzen eisern waren. Zeugnis davon legt ihr wunderbares Buch «Die Erfahrung der Welt» ab. Der zweite Teil der ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute August/September 2020
Rubrik: Lektüresommer, Seite 46
von Wolfram Höll

Weitere Beiträge
Das Heilige und das Profane

Eva Behrendt In der Münchner Fassung ist der Chor verschwunden. Welche Funktion hat er in «WUNDE R»?

Enis Maci Die Gemeinschaft von Ichs, die sich im Wohnzimmer der Derwischin Ha­tixhe versammeln, einer tatsächlichen Pilger­innenstätte in Tirana, ist eine heterodoxe. Da sind undogmatische Glaubenspraxen, eine gewisse Planlosigkeit. Das Gemeinsam-Sein, das man dort...

Aggressive Entschleunigung

Es tut mir leid, ich bin zu müde, um die Performance heute Nacht zu spielen. Ich habe dafür keine Energie mehr», sagt Tim Etchells einmal. Und kurz merkt man am Bildschirm auf: Hallo, was ist das? Streckt der jetzt die Waffen und wirft hin? Die Online-Performance hatte sich bis zu diesem Moment in einer erlesenen Schluffigkeit präsentiert: Etchells hockt vor seinem...

Augenhöhe oder Apokalypse

Eigentlich wollte ich Hannah Arendts umstrittenen Text «Reflections on Little Rock» von 1959 besprechen, mit dem sie sich gleich nach dem Erscheinen einige Kritik eingehandelt hatte. Sie sprach sich darin zwar eindeutig gegen Rassismus aus, machte aber eine Unterscheidung zwischen Gleichheit als politischem Recht, das durch die Verfassung gegeben sein müsse, und...