Damals im Blaubeerhain
Ein öffentlicher Ort, eine jedermann zugängliche Lokalität, welche als Treffpunkt dient, unbestimmbarer Natur, freilich kein freier Platz, weniger Außen- als Innenraum, -räume, -elemente, möglicherweise ein ehemaliges Klosterrefektorium in der spanischen Provinz Ávila, oder wo, oder der Kleinstadt-Tanz- und Festsaal, mit einer (leeren) Thekenecke, von Humpolec in Böhmen, oder wo.» Ja, was denn nun?, könnte man genervt fragen – oder die wachgerufenen Bilder aus Spanien und Böhmen im Kopftheater zu etwas unbekanntem Dritten mischen.
Willkommen in einer Regieanweisung von Peter Handke, ganz ohne «oder wo»!
Sowohl als auch
Handkes Regieanweisungen haben sich längst zu einem literarischen Sub-Genre entwickelt, das die Poetologie (und den Theaterbegriff) des Nobelpreisträgers im Kern entfaltet. Auch im Vortext zu «Zdenek Adamec» vollführt Handke das Paradox, alles betont offen zu lassen und zugleich eine Menge konkreter Aufführungsideen bis hin zum Sound einer Maultrommel zu lancieren. In inszenierten Fragen und Antworten zu den dramatis personae entwirft er eine Gemeinschaft aus Theaterleuten, Autor und Publikum: «Mehr Männer, mehr Frauen? Was ihr wollt – jedenfalls nicht nur ein ...
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Theater heute Dezember 2020
Rubrik: Aufführungen, Seite 12
von Eva Behrendt
Am Anfang ist das Wort. Nicht das der Befragerin, Dorte Lena Eilers, sondern das der Befragten: Valery Tscheplanowa. Sie spricht, in fünf Gedichten, die tief blicken lassen in eine eigenständige, zerrissene Seele: «Und Wache halt ich / Adler Echo, über Dich / Der Du den Aufbruch wagst ins Eigne».
Es folgt ein langes Gespräch, das auf 130 Seiten immer weiter...
Vor einem Jahr sagte Björn Bicker anlässlich der Bochumer Uraufführung seiner «Lehrer*innen» in einem Interview: «Ich führe Gespräche, besuche Schulen und Unterrichtsstunden. Ich sammle Material. Und aus dem Material wird sich eine literarische Form ergeben: eine Klage, ein Liebeslied, ein Chor, ein Manifest, eine Farce – oder alles zusammen.» Jetzt, da Bickers...
Jesus stammt aus Kamerun. Seine Jünger sind Erntearbeiter*innen und Politaktivist*innen, die in Süditalien gegen Ausbeutung, Korruption, rassistische Diskriminierung und Zwangsprostitution kämpfen. Milo Raus Film «Das neue Evangelium» verbindet politischen Aktivismus und Bibel-Überschreibung (s. TH 10/19). Szenen aus den Dreharbeiten, Dokumentation und...
