Damals im Blaubeerhain
Ein öffentlicher Ort, eine jedermann zugängliche Lokalität, welche als Treffpunkt dient, unbestimmbarer Natur, freilich kein freier Platz, weniger Außen- als Innenraum, -räume, -elemente, möglicherweise ein ehemaliges Klosterrefektorium in der spanischen Provinz Ávila, oder wo, oder der Kleinstadt-Tanz- und Festsaal, mit einer (leeren) Thekenecke, von Humpolec in Böhmen, oder wo.» Ja, was denn nun?, könnte man genervt fragen – oder die wachgerufenen Bilder aus Spanien und Böhmen im Kopftheater zu etwas unbekanntem Dritten mischen.
Willkommen in einer Regieanweisung von Peter Handke, ganz ohne «oder wo»!
Sowohl als auch
Handkes Regieanweisungen haben sich längst zu einem literarischen Sub-Genre entwickelt, das die Poetologie (und den Theaterbegriff) des Nobelpreisträgers im Kern entfaltet. Auch im Vortext zu «Zdenek Adamec» vollführt Handke das Paradox, alles betont offen zu lassen und zugleich eine Menge konkreter Aufführungsideen bis hin zum Sound einer Maultrommel zu lancieren. In inszenierten Fragen und Antworten zu den dramatis personae entwirft er eine Gemeinschaft aus Theaterleuten, Autor und Publikum: «Mehr Männer, mehr Frauen? Was ihr wollt – jedenfalls nicht nur ein ...
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Theater heute Dezember 2020
Rubrik: Aufführungen, Seite 12
von Eva Behrendt
Zwei Stunden sitzt die Schauspielerin Pauline Kästner fest; wie ein Häuflein Elend auf einem Sandhaufen in der Mitte der Bühne des Nürnberger Staatstheaters. Ihr Aktionsradius ist denkbar klein, Regisseur Andreas Kriegenburg hält sie an der kurzen Leine: Dieser Antigone gibt er keinerlei Chance einzugreifen. Sie mag sich winden, mag im Sand wühlen, Spuren suchen...
Traurige Ironie der Pandemiegeschichte: Weil man die Inszenierung im Juli nicht vor den damals zugelassenen 200 Zuschauern herausbringen wollte, gab es vor den Sommerferien nur zwei Voraufführungen. Jetzt durfte die nachgeholte Premiere von «Dantons Tod» in der Regie von Sebastian Baumgarten im Schauspielhaus des Münchner Residenztheaters Anfang November nur noch...
Immer wieder wird darüber geklagt, dass zu viele Romane als Dramen auf die Bühnen kommen. Bitte sehr: Hier hätten wir endlich einmal den umgekehrten Fall! Christoph Nußbaumeder hat sich sein ohnehin schon voluminöses Stück «Eisenstein» (2010 uraufgeführt in Bochum) vorgenommen und daraus ein wuchtiges, knapp 700-seitiges Prosawerk gemacht. Aus einer Szenenfolge,...
