Buch: Liebe zum Dreck

Die Autobiografie der Künstlerin Valeska Gert «Ich bin eine Hexe» aus dem Jahr 1968 erscheint noch einmal neu im Alexander Verlag

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Bevor die Zivilisation an menschlicher Dummheit untergeht, verträgt sie wenigs­tens ein paar kräftige Sprüche. «Die alte Welt ist morsch, sie kracht in allen Fugen. Ich will helfen, sie kaputtzumachen!» Oder ein schönes Gedicht: «Schlaf, kleine Erde, schlaf schön bald / Bist erst fünf Milliarden Jahre alt. / Jetzt spielen böse Jungs mit deinen Kräften / experimentieren mit deinen Säften / Und es kann passieren / dass wir alle explodieren.» Wirkt wahnsinnig aktuell. Ist aber von Valeska Gert.

So kommentierte die tanzende Universalkünstlerin in ihrer heiligen Unangepasstheit die brutalen Umbrüche ihrer Zeit. Oder prophezeite die Folgen der blinden Technikgläubigkeit der Nachkriegszeit. 

Die selbsternannte «Hexe» brachte es tatsächlich auch fertig, die «Hexe von Buchenwald», die unfassbar brutale KZ-Aufseherin Ilse Koch, in ihrem Kabarett «Hexenküche» in Berlin als Fratze des deutschen Horrors zu spielen, obwohl von ihrer eigenen Familie niemand das Nazi-Regime überlebt hatte – außer ihr und ihrem Bruder, der ebenfalls in die USA emigiriert war. «Ich bin nicht normal», sagte Valeska Gert über sich. Das stimmt. Und deswegen ist es so inspirierend, die Memoi­ren dieser tabulosen Frau ...

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Theater heute Februar 2020
Rubrik: Magazin, Seite 69
von Till Briegleb

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