Bochum

Aufbruch in den Muff: nach Goldoni «Zoff in Chioggia», Fallada «Kleiner Mann, was nun?»

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Oh, wie schön war es in Chioggia, als es Nuran David Calis noch nicht zu einem Schnellrestaurant gemacht hatte. Was im 16. Jahrhundert noch ein redlicher Fisch war, ist heute allenfalls ein Hamburger, so traurig ist die Gegenwart. Toilette und Küche der Kneipe, wo mal choreografiert geprügelt, mal heimlich geraucht wird, werden per Live-Kamera ebenfalls nach vorne projiziert – genauso wie die Facebook-Aufrufe zur Rettung des «Chioggias». Nur die Hip-Hop-Einlage als Schatten vor der auf Leinwand projizierten Bochumer Skyline ganz zu Beginn behauptet noch ein wenig Großstadtpoesie.

Goethe-Aphorismen hören sich in diesem Kon­text an wie Schlagertexte oder Selbsthilfe­bücher: «Der Sinn des Lebens ist das Leben», sagt Lucietta, als sie schließlich erkennt, dass Liebe «doch nicht nur ein Wort ist». Constanze Wächter spielt sie als visionäre Vorstadtprolette mit Arschgeweih, muster-gebleichter Schlaghose und bauchfreiem Hängerchen – nicht gerade eine glaubwürdige Globetrotterin. Schauspielerisches Zentrum ist Krunoslav Šebrek, der ihren Freund Titta Nane mit aufrechtem Charisma ausstattet.

Die anderen sind erschreckend unbedarft und erinnern mehr an eine naive Jugendinszenie­rung zum Thema ...

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Theater heute März 2012
Rubrik: Chronik, Seite 46
von Dorothea Marcus

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