Bilder eines selbstbestimmten Lebens
Paula Spencer hat irgendwie Pech gehabt im Leben. Sie ist Witwe, Putzfrau und Alkoholikerin – eine Inkarnation des Prekariats. Trotzdem ist Paula Spencer kein Trauerfall, denn ihr Schöpfer, der irische Erfolgsschriftsteller Roddy Doyle hat ihr nicht nur eine Stimme, sondern auch viel Würde und Humor gegeben. In seinem Roman «Die Frau, die gegen Türen rannte» lässt er Paula ihre Sicht der Dinge erzählen. Wie es ist, in der Schule in die Klasse der Dümmsten eingestuft zu werden. Wie sich ein Körper anfühlt, der viel zu früh in die Üppigkeit des Frauseins übergeht.
Wie man in einem Umfeld besteht, in dem sehr wenig auf das Wohlergehen anderer geachtet wird. Das klingt tragisch, wird in der schnoddrigen Eloquenz von Doyles Protagonistin aber mit liebevoller Ironie erzählt.
Paula Spencer ist eine Überlebende. Und als solche stellt sie Oliver Reese auf die Bühne der Frankfurter Kammerspiele. Reese hat aus Doyles Text einen Theatermonolog gemacht, der aus sich heraus funktioniert, weil der Romanautor mit Paula Spencer eine beeindruckend realistische und hinreißend menschliche Figur geschaffen hat. In Frankfurt steht sie in gleißendem Licht auf einer weißen Plastikplane, wie sie Fotografen ...
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Theater heute Januar 2011
Rubrik: Chronik, Seite 51
von Paula van Bergen
Wer in den letzten Wochen und Monaten in ein deutsches Theater ging, konnte froh sein, wenn er nach dem Applaus ohne weitere Hiobsbotschaften entlassen wurde. Wenn es nicht so glücklich lief, standen ein paar Schauspieler auf der Bühne, berichteten in wohlgesetzten Worten von drohenden Sparszenarien und riefen die Zuschauer wenn nicht zur Solidarität, so doch...
Der Wiener Schauspieler und Regisseur Paulus Manker fiel nicht weit vom Stamm. Seine Mutter ist die Schauspielerin Hilde Sochor; sein Vater war der Schauspieler, Bühnenbildner, Regisseur und Intendant Gustav Manker (1913–1988). Über letzteren hat Paulus Manker jetzt eine opulente Monografie vorgelegt: zweieinhalb Kilo, 560 Seiten, 877 Bilder. «Verschwenderisch...
Etwas ist anders im Foyer. Etwas, das uns Minuten zuvor kaum aufgefallen wäre. Weil wir uns an das Andere auf der Straße längst gewöhnt haben. Aber hier, im Freiburger Stadttheater, im Showroom einer mittelgroßen Universitätsstadt, deren Kulturbürgertum ebenso aufgeklärt wie überschaubar ist, bleibt die Anwesenheit des Anderen eine Überraschung....
