Der Taliban in uns

Bettina Erasmy «Supernova» (U, Kammerspiele)

Theater heute - Logo

Sie bewegt sich in einer Welt untergründig bebender Grenzgänger, gibt ihren Figuren
allerdings einen derart zurückhaltenden Ton mit auf den Weg, dass man meint, sie habe ein Schlachtengemälde zeichnen wollen, sich dann aber doch für ein Stillleben entschieden. Eines zumindest begreift man: Bettina Erasmys Welt ist nicht zuletzt deshalb leicht entzündlich, weil der Taliban überall und also auch in uns allen lauert. Vor zwei Jahren suchte sie ihn mit «Mein Bruder Tom» unter anderem auf einem Schlachtfeld.

Jetzt findet sie ihn mitten in einer Familie, und es stellt sich die Frage, was da ansonsten noch ist.

Eltern natürlich, die zu jeder guten Familie gehören. In «Supernova» ist das eine Mutter, die als Apothekerin die Familie versorgt und im arbeitslosen Gatten, der als Rundfunksprecher wegen seiner Stimme ziemlich gefragt gewesen sein muss, einen braven Hausmann hat. Die beiden sind noch gut zu fassen. Bereits die stumme Tochter aber ist eher eine figurative
Behauptung, während der Sohn der Familie ein gewaltbereiter Ego-Shooter sein soll, sich mit seiner emotionalen Ausstattung allerdings genau so im Ungefähren verliert wie eine mysteriöse Frau, die eigentlich eine Prostituierte ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Januar 2011
Rubrik: Chronik, Seite 50
von Jürgen Berger

Weitere Beiträge
Mein geschenktes Leben

Über das Portal meines Theaters», sagte Tankred Dorst vor gut zehn Jahren, «würde ich schreiben: Wir sind nicht die Ärzte, wir sind der Schmerz.» Was ist es, das einen Menschen zum Schreiben bringt? Und wichtiger noch, dafür sorgt, dass er damit nicht aufhört? Über vierzig, fünfzig, sechzig Jahre seines Lebens? Wahrscheinlich ist keine Antwort auf diese Frage...

«Was ich da verpasst haben soll, ist mir schleierhaft»

Franz WilleHerr Lammert, Sie haben die «Faust»-Verleihung in Essen nach einer guten Stunde verlassen und mit einem wütenden offenen Brief quittiert. Darin ist die Rede von einem «beliebigen Fernseh-Unterhaltungs­format» und «fernsehgerechten Häppchen». Was hat sie da am meisten aufgeregt?

Norbert LammertDass ausgerechnet der Deutsche Bühnenverein einmal mehr...

It’s Weimar Time

Katastrophen aller Art durchwehen das Londoner Theater diesen Herbst und Winter: Erdbeben in der Hauptstadt, Bombenanschläge in Indonesien, politische Radikalisierung in Afghanistan und ein demoralisierter Weihnachtsmann. Dafür entdeckt Salisbury – unerwartetes Geschenk unterm Baum – in Philip Massinger einen Sohn der Stadt und Shakespeare-Zeitgenossen neu. Also...