Basel: Werbespott
Vater, Mutter, Tochter, Sohn sitzen zu Tisch. Heute gibt es Friede, Freude, Eierkuchen. Eigentlich gibt es immer Friede, Freude, Eierkuchen, wenn sich die Musterfamilie aus der Komödie des jungen Ostschweizers Philippe Heule am Theater Basel vereint. Papa lobt Mamas Küche, Maxi lobt Mamas Figur, Moni ihr neues Parfüm (also ihr eigenes, nicht Mamas), und alle loben Papa, weil er ein tolles Musterheim erbaut hat. Und Papa ist so ergriffen von sich selbst, dass er gar nicht zu bemerken scheint, was heute anders ist.
Anders ist, dass alles perfekt ist. Behauptet Papa.
Und Mama wundert sich, was hier so komisch knackt. Dann scheppert’s im Gestänge über dem gläsernen Wohncontainer, herab stürzt ein Scheinwerfer, die Windmaschine stürmt los, droht das Scheinidyll hinwegzufegen (Bühne: Viva Schudt). Kaum fragt man sich, wohin sich dieses Stück mit dem mutwillig stümperhaften Titel «Retten, was zu retten ist» wohl verirrt, verfügt eine Stimme aus dem Off den Cut.
Zeit für die Auflösung: Wir sind beim Fernsehen. Auf dem Set einer unerhört erfolgreichen Werbefamilie, die eben das Remake ihres legendären Do-it-yourself-Spots in den Kasten zu kriegen versucht. Vor 15 ...
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Theater heute Januar 2017
Rubrik: Chronik, Seite 47
von Stephan Reuter
Als Intro zu Oliver Frljics «Requiem für Europa» tritt der Schauspieler Sebastian Pass in einer Art Horrorclownkostüm an die Rampe des Staatsschauspiels Dresden. Er sei neu im Ensemble und habe «ein Gastgeschenk» mitgebracht, säuselt er mit einem Suggestiv-Tremolo ins Parkett, als hätte er den Job des Sandmannes übernommen. Es handele sich um einen Wunsch....
Bereits im Mai letzten Jahres schuf das polnische Außenministerium eine neue Grundlage für seine Kulturdiplomatie im Dienste von «Recht und Gerechtigkeit»: Die Botschaften, Konsulate und weltweit 24 Kulturinstitute sollten sich zukünftig «dem Erbe des politischen Denkens Lech Kaczynskis» verpflichten. Auf den ersten (ausländischen) Blick mag das als recht ...
Sie sind gekommen, um «Tschüss» zu sagen. Nach fünf Jahren an der Volksbühne, nach fünf Jahren Festspielen mit der vielköpfigen Fritsch-Familie, die ein großer bunter Wanderzirkus ist: feinste Lachmuskelartisten, die Herbert Fritsch über die Zeit an zig Stadttheatern aufgetan hat. Jetzt treten sie noch einmal zur Rampe vor, einzeln, hundert letzte Minuten...
