Kulturpolitik: Ende des Austauschs

Polen entlässt über die Hälfte seiner Kulturinstitutsleiter im Ausland, darunter die Berliner Direktorin Katarzyna Wielga-Skolimowska. Ein Kommentar

Theater heute - Logo

Bereits im Mai letzten Jahres schuf das polnische Außenministerium eine neue Grund­lage für seine Kulturdiplomatie im Dienste von «Recht und Gerechtigkeit»: Die Botschaften, Konsulate und weltweit 24 Kulturinstitute sollten sich zukünftig «dem Erbe des politischen Denkens Lech Kaczynskis» verpflichten. Auf den ersten (ausländischen) Blick mag das als recht enge kulturpolitische Rahmensetzung erscheinen, zumal der Verstorbene keinerlei politisches Schrifttum oder wenigstens Tagebücher hinterlassen hat.

Welche kulturpolitischen Veränderungen nun allerdings so dringlich waren, dass der polnische Botschafter Andrzej Przylebski die Direktorin des Polnischen Instituts in Berlin, Katarzyna Wielga-Skolimowska, mit sofortiger Wirkung «freistellen» musste, wird ein polnisches Staatsgeheimnis bleiben. 

Dass der Vertrag der seit 2013 das Institut leitenden, im gesamten Berliner Kulturleben äußerst präsenten Kulturmanagerin und Theaterwissenschaftlerin über den Sommer 2017 hinaus verlängert würde, war natürlich nicht zu erwarten. Bereits letzten Herbst wurde ihr die Übersetzerin Margaret Bochwic-Ivanovska als stellvertretende Direktorin an die Seite gestellt, die beruflich ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Januar 2017
Rubrik: Magazin, Seite 61
von Anja Quickert

Weitere Beiträge
Freies Theater: 25 Kilometer Billy-Regal

Die gute Nachricht zuerst: Es ist noch nicht zu spät. Verloren gegangen ist bisher erst wenig, und die Initiative zu einem «Archiv des Freien Theaters», die auf der Konzeptionskonferenz letzten Oktober im Münchner Literaturhaus präsentiert wurde, kommt damit zur richtigen Zeit, in der viele, die in den 1960er und 1970er Jahren begonnen haben, außerhalb der...

Fragen ohne Antworten

Mit lässiger Geste schüttelt der Regisseur und Autor Alexander Eise­nach seinen Finanz-Western «Der kalte Hauch des Geldes» in die Frankfurter Kammerspiele. Eisenach fragt nicht weniger als a) nach dem Zustand der Welt und b), wie die Macht des Kapitals zu brechen sei. Natürlich findet er keine Antworten, will aber auch trotz vieler gar nicht unkluger...

Vorschau

Wer hätte gedacht, dass Christoph Marthaler und sein Team mal so richtig bitterernst werden können? Aber beim Tod von Flüchtlingen im Mittelmeer hört der Spaß auf: «Die Wehleider» im Hamburger Schauspielhaus.

Wie wird ein gut integrierter junger Deutschtürke der zweiten Generation zum fanatischen Islamisten? Dazu muss man nur Nuran David Calis’ «Kuffar. Die...