Kulturpolitik: Ende des Austauschs
Bereits im Mai letzten Jahres schuf das polnische Außenministerium eine neue Grundlage für seine Kulturdiplomatie im Dienste von «Recht und Gerechtigkeit»: Die Botschaften, Konsulate und weltweit 24 Kulturinstitute sollten sich zukünftig «dem Erbe des politischen Denkens Lech Kaczynskis» verpflichten. Auf den ersten (ausländischen) Blick mag das als recht enge kulturpolitische Rahmensetzung erscheinen, zumal der Verstorbene keinerlei politisches Schrifttum oder wenigstens Tagebücher hinterlassen hat.
Welche kulturpolitischen Veränderungen nun allerdings so dringlich waren, dass der polnische Botschafter Andrzej Przylebski die Direktorin des Polnischen Instituts in Berlin, Katarzyna Wielga-Skolimowska, mit sofortiger Wirkung «freistellen» musste, wird ein polnisches Staatsgeheimnis bleiben.
Dass der Vertrag der seit 2013 das Institut leitenden, im gesamten Berliner Kulturleben äußerst präsenten Kulturmanagerin und Theaterwissenschaftlerin über den Sommer 2017 hinaus verlängert würde, war natürlich nicht zu erwarten. Bereits letzten Herbst wurde ihr die Übersetzerin Margaret Bochwic-Ivanovska als stellvertretende Direktorin an die Seite gestellt, die beruflich ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Januar 2017
Rubrik: Magazin, Seite 61
von Anja Quickert
Das Flugzeug der Austrian Airlines setzt auf der Landebahn des Wiener Flughafens auf. Es ist der 5. Dezember 2016. Der Tag nach der «Schicksalswahl». Wie jedes Mal plärrt unmittelbar nach der Landung dieser nervtötende Potpourri aus Walzer und Mozart aus den Bordlautsprechern. Willkommen in Österreich.
Das Leben geht weiter. Immerhin, als am Tag davor kurz...
Sie sind gekommen, um «Tschüss» zu sagen. Nach fünf Jahren an der Volksbühne, nach fünf Jahren Festspielen mit der vielköpfigen Fritsch-Familie, die ein großer bunter Wanderzirkus ist: feinste Lachmuskelartisten, die Herbert Fritsch über die Zeit an zig Stadttheatern aufgetan hat. Jetzt treten sie noch einmal zur Rampe vor, einzeln, hundert letzte Minuten...
Als Intro zu Oliver Frljics «Requiem für Europa» tritt der Schauspieler Sebastian Pass in einer Art Horrorclownkostüm an die Rampe des Staatsschauspiels Dresden. Er sei neu im Ensemble und habe «ein Gastgeschenk» mitgebracht, säuselt er mit einem Suggestiv-Tremolo ins Parkett, als hätte er den Job des Sandmannes übernommen. Es handele sich um einen Wunsch....
