Tote gibt es schließlich immer
Nein, der Garten Eden sieht anders aus. Dieser hier ist eingefasst von einer hohen Metallwand, hinter der sich noch ein meterhoher Metallzaun wölbt – ein Gated Garden in einer unzweifelhaft Gated Community. Das Sicherheitssystem hat trotzdem Lücken: Ständig schleichen Störfaktoren herein, ungeladene Gäste. Ein reichlich abgerockter Nachbar zum Beispiel, der um größere Almosen bittet und dem auch die lässig hingehaltene Rolex nicht reicht: «gib mir genug, damit auf dauer sich was ändert.
» Womit wir mitten drin wären im Dilemma: Was brauchen wir zum Leben? Was ist genug? Was Übermaß?
Im Letzteren, im Übermäßigen, ist zweifellos der Jedermann zuhause. In seinem grauweißen Garten mit einem kühlen flachen Pool und einer weißen Empore sich auftürmender Steine, an diesem, wie er selber findet, «ungequälten ort», will er ein rauschendes Fest geben. Auch wenn sich draußen eine Wirtschaftskrise abzeichnet, die Inflation wütet, der Markt wankt und bürgerkriegsähnliche Zustände befürchtet werden: Drinnen wird gefeiert. Tote gibt es schließlich immer. Findet Jedermann.
Ferdinand Schmalz, die Grazer Theater- und Literaturhoffnung mit dem heiteren Künstlernamen und der handfesten Schreibe, ...
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Theater heute März 2020
Rubrik: Aufführungen, Seite 32
von Esther Boldt
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