Babelsberg goes Fliegerhorst

nach Jacques Prévert «Die Kinder des Olymp» (Staatstheater)

Theater heute - Logo

Nur das «L» fällt aus dem Rahmen. Und markiert ein wenig Ironie in der «Wahlheimat» – das Wort steht haushoch an der Ausweichspielstätte des Staatstheaters in Oldenburg, dessen Haupthaus mit der Großen Bühne gerade auf ein Jahr zur Runderneuerung freigegeben ist; auf der Suche nach Ersatz wurde das Theater auf dem örtlichen Fliegerhorst fündig. Auf nicht mehr genutzten Rollfeldern, Start- und Landebahnen hocken Bataillone von Krähen. So unwirklich ist Theater an diesem Ort, dass auch das frohgemute Wort von der »Wahlheimat» nichts hilft – fremd bleibt fremd.



Drin in Halle 10 hat Oldenburgs Staatstheater allerdings keine Mühe gescheut, um eine funktionierende Bühne ins postmilitärische Vakuum zu bauen. Klaus Schumacher, der Gast vom gefährlich schlingernden Hamburger Schauspielhaus-Schiff, nutzt sie geschickt – und erzählt die poetische Theater-Geschichte um die «Kinder des Olymp» konsequent als Film-Fabel, als eine Art Making-of einer zeitgenössischen Remake-Version von »Les Enfants du Paradis». Und das auf breitestmöglicher Breitwand – so wurden in den 60er Jahren Monumental-Schinken wie «Doktor Schiwago» dem Publikum vor Augen geführt. Schumachers Film-Set nimmt Breite und Tiefe ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Januar 2011
Rubrik: Chronik, Seite 53
von Michael Laages

Weitere Beiträge
«Es muss was auf dem Spiel stehen»

Lucy Prebbles «Enron» wurde von britischen Kritikern mit superlativen Rezensionen überhäuft, als «era-defining, must-see theatrical event of the year» gefeiert und hat 2009 und 2010 alle 21.800 Plätze seiner Royal-Court-Theatre-Laufzeit sowie seinen West-End-Transfer ausverkauft. Nicht schlecht für ein Stück über den Kollaps eines texanischen Energieunternehmens....

Whomm! Zoing!

Ein Comic bleibt ein Comic bleibt ein Comic – auch wenn er ohne Sprechblasen auf der Bühne daherkommt. Das heißt: Große Hüllen mit wenig Inhalt sind das eigentlich schon, die man im Theaterhaus Jena bei Rebekka Kricheldorfs Batman-Fortschreibung «Gotham City I»
zerplatzen hört, einer scheinbar ins Unendliche angelegten (mindestens die Teile II und III
werden noch...

Der Taliban in uns

Sie bewegt sich in einer Welt untergründig bebender Grenzgänger, gibt ihren Figuren
allerdings einen derart zurückhaltenden Ton mit auf den Weg, dass man meint, sie habe ein Schlachtengemälde zeichnen wollen, sich dann aber doch für ein Stillleben entschieden. Eines zumindest begreift man: Bettina Erasmys Welt ist nicht zuletzt deshalb leicht entzündlich, weil der...