Auf blutigen Spuren
Was und warum sie gemeinsam alles hinter sich lassen wollen, wird bis zuletzt nicht ganz klar an diesem Heimatabend mit rein weiblicher Besetzung, der mit viel inbrünstigem Gesang und verpeilter Heilssuche zu Werke geht. Es muss etwas mit Sehnsucht nach einer ganz speziellen Freiheit zu tun haben, die so zumindest in der «Hölle» des Freistaats Bayern nicht zu finden ist, oder spirituell verbrämt mit einem «reinen Leben» in einer pseudoreligiösen Schwesternschaft.
Und so richtig einig ist man sich auch nicht, ob das neue Paradies in Paraguay, Chile oder nicht besser doch nur eine Stunde von der Landeshauptstadt entfernt im Voralpenland zu suchen ist.
Der chilenische Dramatiker und Regisseur Guillermo Calderón, seit gut einem Jahrzehnt auch an zahlreichen europäischen Häusern und in den USA präsent, hat als seine erste Auftragsarbeit für das Münchner Residenztheater ein Stück geschrieben und im Marstall inszeniert, das die vielfach verflochtene und ideologisch belastete Geschichte deutscher Auswanderung nach Südamerika vor dem Hintergrund heutiger Querdenkerei neu aufrollt. In einer Art esoterisch ausgepolstertem Vorbereitungscamp haben sich sechs Impfgegnerinnen in ...
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Theater heute Mai 2023
Rubrik: Chronik, Seite 78
von Silvia Stammen
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