Theater heute: Die Kritiker:innen

Die Qualität von «Theater heute» ist die Qualität ihrer aktuellen Kritiker:innen (ohne Anspruch auf Vollständigkeit). Und da niemand sie so gut kennt wie sie sich selbst, stellen sie sich hier vor. Biografische Eckpunkte, der Weg zum Beruf, ästhetische Positionen, ein entscheidendes Theatererlebnis – alles ist möglich, was der Selbstvorstellung hilft

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Sondervermögen
Was tun, wenn man nichts kann außer lesen und schreiben? Deutschlehrer wäre eine Möglichkeit gewesen, hätte sich nicht schon früh im Germanistikstudium die Erkenntnis eingestellt, dass ich nie so gut sein würde wie der, den ich in der gymnasialen Ober -stufe genießen durfte.

Was folgte, erscheint aus heutiger Sicht folgerichtig: Schon während des Hauptstudiums erste Theaterkritiken für die Heidelberger Wochenzeitung «Communale», angeregt durch Theaterkünstler:innen wie Johann Kresnik, Jossi Wieler, Anna Viebrock und Herbert Fritsch am Heidelberger Theater. Die Jahre als Hochschul- und Feuilleton-Redakteur der «Communale» waren ein prima Fitnessraum für jenen Muskel der heiteren Selbstausbeutung, den du auf jeden Fall trainiert haben solltest, falls irgendwann das Telefon klingelt und eine Stimme die Frage stellt: «Wie wäre es mit einer Kritik zu Castorfs ‹Ajas›- und Wielers ‹Ivanov›-Inszenierung in Basel?» Das war einige Tage vor dem Mauerfall und in der zweiten Spielzeit von Frank Baumbauers Intendanz. Auftraggeber war die Berliner «taz». Die nächsten Anrufe kamen aus der Redaktion von «Theater heute» und der «Süddeutschen Zeitung», während ich gleichzeitig für ...

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Theater heute Mai 2023
Rubrik: Theater heute 750, Seite 71
von

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Immer Ärger mit der Wirklichkeit

Clemens J. Setz’ «Der Triumph der Waldrebe in Europa»
Was heißt hier Wirklichkeit?, fragt sich Renate, Mutter von David, der mit damals acht Jahren vor einiger Zeit bei einem Autounfall umgekommen ist. Und ihre Antwort lautet: «Mein Sohn gehört nicht der Erde, er gehört uns», also ihr und ihrem Mann Konrad. Fortan wird kein Toter betrauert, sondern ein Rollstuhl...

Sieg der Vernunft

Und wenn es nun in dieser Minute geschlossen gewesen wäre, darum also hätte ich gelebt?», räsonniert Heinrich von Kleist in einem Brief, den er am 18. Juli 1801 unmittelbar nach seinem «spektakulären» Kutschen-Unfall auf dem Butzbacher Marktplatz schrieb, über sein Leben. «Das hätte der Himmel mit diesem dunkeln, rätselhaften, irdischen Leben gewollt, und weiter...

Arbeit am Begriff

Eine Diskussion über Theaterkritik ist für einen Theaterwissenschaftler ein in vielfacher Hinsicht vermintes Gelände: Erstens sollte er tunlichst vermeiden, auch nur die leiseste Spur von Arroganz an den Tag zu legen – als sei seine Einsicht per se eine tiefere, verbrieftere, fundiertere als jene der Theaterkritiker:innen. Das ist sie nicht. Zweitens sollte er...