Alle unterm gleichen Vorhang
Sie – er – es ist einfach perfekt. Langbeinig, wallemähnig, sportlich schlank und stets lieb und zugewandt. Sie hat es von einer Sexpuppe zur einfühlsamen, durchaus kritischen Gesprächspartnerin gebracht. Wenn sie dabei zu sehr nervt, kann man die Kommentarfunktion abschalten. Peter Vogel hat sich das perfekte Liebespendant, seine «Echokammer», erschaffen und nennt es zärtlich IKI («Intime Künstliche Intelligenz»).
In Osnabrück wird IKI von Julius Janosch Schulte total sympathisch als sexy Kumpelfreundin mit unklarer Geschlechtlichkeit gespielt und hat neben täuschend echt scheinenden Liebesgefühlen auch fein austarierte pseudomenschliche Schwächen, etwa kleine Schmoll- und Eifersuchtsanwandlungen. IKI, Produkt und Projektionsfigur zugleich, kennt ihren Peter dank algorithmischer Totalkontrolle wie keine andere, unappetitliche Stoffwechseldetails und schlechte Essgewohnheiten inklusive. Und wenn das zu aufdringlich wird, kann Peter sie zum Glück herunterregulieren.
Sediert von der Liebesillusion
Der Stuttgarter Autor Kevin Rittberger hat in seiner ersten Auftragsarbeit für das Theater Osnabrück das «erste intime KI-Kammerspiel» geschrieben, ein «ökologisch-bürgerliches ...
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Theater heute November 2019
Rubrik: Das Stück, Seite 50
von Dorothea Marcus
Kohlenrutsche, Müllschlucker, Schüttgutrampe – Olaf Altmanns Bühnenbild ist eine Großmetapher, eine graue Halfpipe des Geschichtsfatalismus. Es geht nur abwärts, keiner kommt empor, alles rauscht bergab. Entweder man bleibt hübsch oben in Distanz, oder man saust abwärts mit rasanter Fahrt in den Abgrund auf die Vorderbühne, zurückklettern geht nicht. Allenfalls...
Die Tochter des englischen Schwerromantikers Lord Byron und seiner kurzzeitigen Gattin Annabella Milbanke hatte einiges an elterlichen Widersprüchen auszuhalten: vom Papa einen Hang zur kreativen Träumerei, von der Mutter eine solide mathematische Ausbildung und die strengen Exerzitien der viktorianischen Disziplinargesellschaft. Beide(s) zusammen ergab eine...
Er hatte schon im Vorfeld seinen Respekt vor dieser Bühne kundgetan, ihrer Größe, ihrer Tiefe, ihrer Geschichte. Thorleifur Örn Arnasson, der 41-jährige isländische Regisseur, dessen Name spätestens seit seiner hannoverschen Mythenüberschreibung «Edda» 2018 (die er jetzt fürs Burgtheater aktualisiert) in Theaterkreisen zirkulierte, wusste, was er sich antat, als er...
