Die Leere füllen
Er hatte schon im Vorfeld seinen Respekt vor dieser Bühne kundgetan, ihrer Größe, ihrer Tiefe, ihrer Geschichte. Thorleifur Örn Arnasson, der 41-jährige isländische Regisseur, dessen Name spätestens seit seiner hannoverschen Mythenüberschreibung «Edda» 2018 (die er jetzt fürs Burgtheater aktualisiert) in Theaterkreisen zirkulierte, wusste, was er sich antat, als er die Rolle als lückenbüßender Schauspieldirektor für die nächsten zwei Jahre bis zur Pollesch-Intendanz an der Volksbühne übernahm.
Mit ihm soll eine erste Stetigkeit in die nach dem Dercon-Debakel von Interims-Intendant Klaus Dörr wieder behutsam in die Normalität zurückgeführte Volksbühne einkehren: die Rückkehr zum Ensemble- und Repertoiretheater. Ein zweiter Versuch, die Leere zu füllen, die Castorfs mythenbefrachtetes Vierteljahrhundert dröhnend hinterlassen hatte.
Im Soundgewitter
Zum Auftakt also die «Odyssee», ein nicht minder mythenbeladener Brocken, die Arnarsson im bewährten «Edda»-Modus mit seinem Koautor Mikael Torfason in die Kriege der Gegenwart fortschreibt. Hier stehen sie also zum ersten Mal auf dieser Bühne, sieben junge Schauspieler aus dem neuen 17-köpfigen Ensemble. Schon eine Viertelstunde, bevor ...
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Theater heute November 2019
Rubrik: Aufführungen, Seite 28
von Barbara Burckhardt
Wie die Welt untergehen wird? «Unter dem Jubel ihrer witzigsten Köpfe, die da meinen, es wäre ein Witz», heißt es im «Untergang der Titanic» von 1978. Klingt grob, aber genau das ist es, was die apokalyptische Komödie von Hans Magnus Enzensberger jetzt, angesichts der anstehenden Klimakatastrophe, so aktuell macht: die Vorstellung der Katastrophe als Witz.
Ein...
Es beginnt märchenhaft. Das erste Bild von Thomas Heises neuem Film «Heimat ist ein Raum aus Zeit» ist die langsame Bewegung nach oben, einen grünen Pfahl entlang, der auf Waldboden steht. Am Ende des Pfahls ist ein Schild angebracht mit den Worten: «Nach der Legende stand hier Großmutters Haus.» Was dann folgt, ist allerdings keine Fabel, sondern Dokumentarismus...
Die Natur, die Goethes Werther einst schwärmerisch zu umfassen suchte, ist brüchig geworden. Sie ist ein Hörensagenphänomen. So wie Regisseurin Lilja Rupprecht sie an diesem Abend ins Schauspiel Hannover holt: Wellen schwappen auf dem Videoscreen so zähflüssig, als wären sie schon ein Ölteppich. Ein Fotoplakat prangt mit dem Versprechen auf «Natur» und...
