750 Hefte
Die 750. Ausgabe von «Theater heute» ist etwas umfangreicher als sonst. Was läge zum Jubiläum auch näher, als sich einmal genauer mit Theaterkritik zu beschäftigen. Oft wird behauptet, sie habe ihre besten Zeiten hinter sich. Und tatsächlich, die Lage ist oft schwierig. Feuilletons müssen sparen, der Platz im Blatt für die Kritik ist umkämpft, Reiseetats – wichtig für den überregionalen Überblick – werden eng. Was für die Metropolen gilt, wird in der Fläche noch komplizierter.
Welche Regionalzeitung unterhält noch eine Kritiker:in? Und online hat sich bisher mit «nachtkritik.de» nur eine Gratisplattform durchsetzen können. Ist Theaterkritik kein Geld wert?
Andererseits waren die Zeiten für die Theaterkritik nie herausfordernder. Die öffentlichen Theater produzieren mehr Premieren denn je. Das Publikum ist nach der Corona-Flaute zurück. Die Theaterästhetiken haben sich weiter geöffnet und differenziert. Die Freie Szene sorgt für immer neue Perspektiven, Themen und Experimente. Die internationalen Festivals boomen ebenfalls. Vorschläge zu Strukturreformen sorgen für engagierte Debatten und tatsächliche Veränderungen an den Häusern. Goldene Zeiten eigentlich für offene, ...
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Theater heute Mai 2023
Rubrik: Foyer, Seite 0
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Talentshows haben lange ein süßes Gift ins Unbewusste ihres Publikums geträufelt: Auch du kannst – und sollst, wenn du eine Frau bist – schlank, sexy, rein und begehrenswert sein, wenn du dich nur anstrengst. Was, wenn jetzt eine Frau, einen Dolch im fauligen Gebiss, mit unreiner Haut, Augenklappe, schmuddeligem Rüschenhemd und «unten ohne», aber unrasiert, an der...
Kammerton a. Der Abend beginnt wie im Konzertsaal. Die Spieler:innen haben sich locker auf der Bühne eingefunden, bei vollem Saallicht, unterhalten sich entspannt, der Keyboarder gibt den Ton vor, das Streichtrio stimmt die Instrumente. Als «Sprachkonzert» wird Sarah Kanes «Gier» gern, etwas verlegen, bezeichnet. Ein Bühnengedicht, das sie auf vier Stimmen C, M, B,...
Und wenn es nun in dieser Minute geschlossen gewesen wäre, darum also hätte ich gelebt?», räsonniert Heinrich von Kleist in einem Brief, den er am 18. Juli 1801 unmittelbar nach seinem «spektakulären» Kutschen-Unfall auf dem Butzbacher Marktplatz schrieb, über sein Leben. «Das hätte der Himmel mit diesem dunkeln, rätselhaften, irdischen Leben gewollt, und weiter...
