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Christopher Rüping inszeniert in Zürich Sarah Kanes «Gier» in den Kanon

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Kammerton a. Der Abend beginnt wie im Konzertsaal. Die Spieler:innen haben sich locker auf der Bühne eingefunden, bei vollem Saallicht, unterhalten sich entspannt, der Keyboarder gibt den Ton vor, das Streichtrio stimmt die Instrumente. Als «Sprachkonzert» wird Sarah Kanes «Gier» gern, etwas verlegen, bezeichnet. Ein Bühnengedicht, das sie auf vier Stimmen C, M, B, A verteilt und schon fast musikalisch notiert hat: «Die Interpunktion entspricht nicht immer den Regeln der Grammatik, sondern soll die Vortragsweise anzeigen.

» Mit einer konzertanten Rezitation steigt Rüping ein, Benjamin Lillie, Maja Beckmann, Sasha Melroch und Steven Sowah haben sich in die erste Publikumsreihe gesetzt, vom Prompter lesen sie Sarah Kanes Zeilen ab. Auf der Bühne verbleibt einzig Wiebke Mollenhauer, seitlich vor einer Kamera sitzend, die nun ihr Gesicht und alle ihre Regungen auf eine riesige quadratische Leinwand überträgt, stumm. 

Sarah Kanes Rede-Initialen sind keine Figuren. Sie erleben keinen Plot, keine sich zuspitzende Handlung, das Einzige, was es gibt, sind Andeutungen: Hinweise auf Traumati -sierungen, sexualisierte Gewalt, Kindesmissbrauch, Selbstzerstörung. Die Stimmen lassen sich ...

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Theater heute Mai 2023
Rubrik: Aufführungen, Seite 6
von Andreas Klaeui

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