Zwischen Elite, Kunst und Quote

Aus dem Geist der repräsentativen Demokratie: das deutsche Theatersystem. Von Joachim Lux.

Der Demos», sagt Herfried Münkler, «ist aus einem Politikpartizipanten in einen staunenden Fernsehzuschauer verwandelt worden.» In ein für Populismus jedweder Art anfälliges Stimmvieh. Aus dem Volk ist eine Masse geworden, die sich lobbyistisch für Partikularinteressen zusammenfindet, ohne noch über ein Gemeinsames zu verfügen. So entsteht gewissermaßen ein neuer Tribalismus, ein Tribalismus der Gleichgesinnten mit einer Oligarchie von Stammesfürsten. Das ehemalige Ganze zerfliegt in seine Teile und begünstigt so die Herrschaft abstrakter globaler Größen – so in etwa.


 
Was heißt das aufs Theater bezogen? Tatsache ist zunächst einmal: Der Demos und der aus ihm abgeleitete Staat bezahlt das Theater, stützt es mit Subventionen, obwohl es nicht den Interessen des gesamten Volks, sondern nur denen einer Sondergemeinschaft entspricht. Spricht irgendetwas für diesen empörend anmutenden Befund? Gibt es Reformbedarf?
 
Ein kurzer Blick zurück: Das Stadttheater (aber nicht jedwedes Theater) ist schon von seiner Genese her eine partikulare Angelegenheit, nämlich eine der bourgeoisen Klasse. Sie hat es erfunden, sie wollte eine erste Form der Öffentlichkeit schaffen, einen öffentlichen Akt der ...

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Theater heute März 2010
Rubrik: Wagnis Demokratisierung?, Seite 40
von Joachim Lux

Vergriffen
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