Muntere Ritterspiele
Einen grundsympathischen Parzival hat sich Lukas Bärfuss frei nach Wolfram von Eschenbach da ausgedacht: ein ordentlicher Zivilisations-Bildungsweg in zehn Szenen, der vom Kaspar-Hauser-Schicksal des in der Einöde aufgewachsenen Kindes über diverse Rittergroßtaten zur Gralsherrschaft führt, die man gut protestantisch erst durch Verzicht erreicht.
Einer, der die brutale Welt seiner Zeit mit den Augen des Fremden wahrnimmt, ihre Widersprüche so zielsicher erkennt und benennt, wie er allen Feinden durch ihre jeweilige weiche Stelle bohrt.
Dabei gehen eine Menge Ritter kaputt, was Parzival auch schade findet, ihm in der Inszenierung von Lars-Ole Walburg aber niemand übel nehmen dürfte. Denn erstens sind diese mittelalterlichen Kampfmaschinen nur ein Haufen täppischer Gesellen in unvorteilhaften Kettenhemden, angeführt von einem wuchtigen Artus (Aljoscha Stadelmann), der aus Langeweile mit Brotkügelchen wirft und für einen guten Witz seine ganze debile Tafelrunde in den Burggraben werfen würde.
Zweitens ist der Charme von Parzival ziemlich unwiderstehlich. Sandra Hüller ist eine Pippi Langstrumpf des Mittelalters, die mit oder ohne Schwert, in Rüstung oder nackt voll ...
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Es beginnt schon im Programmheft zu Laurent Chétouanes Büchner-Inszenierung. Zwei Texte von Roland Barthes kreisen darin um den Zustand der Erschöpfung, des fundamentalen Überdrusses, davon, «von unserer Lebensweise, unserem Verhältnis zur Welt genug zu haben. ... Alles wiederholt sich, alles dreht sich im Kreis: die gleichen Aufgaben, die gleichen Begegnungen,...
Es ist zum an die Wand springen. Da hat man mal einen vernünftigen Selbstmordgedanken, aber kein brauchbares Hilfsmittel, um ihn umzusetzen. Der adoleszente Alkoholiker Darko ist ein widerwillig Überlebender, der nur manchmal und viel zu kurz die Courage zum Suizid hat, sonst aber gern andere dazu ermutigt. Zum Beispiel Ulrike, die irgendwann vom Hochhaus springt....
Wuppertal hat ’ne ganz eigenartige Melancholie. Ich bin früher da zur Schule gegangen, hab lange Jahre dort gelebt, glaube, das ist die Stadt mit den meisten Treppen der Welt. Ich liebe die Stadt dafür und für ihre eigenartige Tristesse. Aber wenn man da das Theater wegnimmt, werden selbst diejenigen, die überhaupt nicht ins Theater gehen, es früher oder später...
