Zwischen Domestizierung und Instinkt
Eleonore Garazzo lebt allein, arbeitet als Immobilienmaklerin und hat längst finanzielle Unabhängigkeit erreicht. An einem Septembertag entdeckt sie, dass sie eigentlich eine Katze ist. Es ist eine Entdeckung, keine Entscheidung, und später wird sie sagen, dass sie sich das nicht ausgesucht habe. Sie blickt schlicht auf ihr bisheriges Leben zurück und bemerkt, dass das, was es ausmacht, katzenhaft ist. Ihr widerfährt kein magischer Moment der Erleuchtung, es ist eher eine Lösung für alles, wofür sie bisher keine Worte hatte.
In diesem Moment beginnt Eleonore, sich neu zu finden. Sie kündigt ihre Arbeit und verschweigt dabei nicht, dass Reichtum und Eigenheim ihr Rückzug und Alleingang erlauben. Sie nimmt das Katzendasein wörtlich und ernst, trägt immer häufiger ein Fell, beginnt nachts zu jagen und übernimmt die unsteten Schlafphasen eines Tieres. Ihr Verhältnis zu ihrem sonst so zuverlässig performenden Maklerinnenkörper wird vielschichtiger und vitaler. Ihre Sinne weiten sich, verändern die Wahrnehmung von Welt und des eigenen Platzes darin. Und auch ihre Wesenszüge werden unberechenbarer und widersprüchlicher – wie die einer Katze eben.
Beim radikalen Fokus auf sich selbst ...
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Theater heute Jahrbuch 2022
Rubrik: Neue Stücke, Seite 151
von Katrin Schmitz
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