Zwischen Domestizierung und Instinkt
Eleonore Garazzo lebt allein, arbeitet als Immobilienmaklerin und hat längst finanzielle Unabhängigkeit erreicht. An einem Septembertag entdeckt sie, dass sie eigentlich eine Katze ist. Es ist eine Entdeckung, keine Entscheidung, und später wird sie sagen, dass sie sich das nicht ausgesucht habe. Sie blickt schlicht auf ihr bisheriges Leben zurück und bemerkt, dass das, was es ausmacht, katzenhaft ist. Ihr widerfährt kein magischer Moment der Erleuchtung, es ist eher eine Lösung für alles, wofür sie bisher keine Worte hatte.
In diesem Moment beginnt Eleonore, sich neu zu finden. Sie kündigt ihre Arbeit und verschweigt dabei nicht, dass Reichtum und Eigenheim ihr Rückzug und Alleingang erlauben. Sie nimmt das Katzendasein wörtlich und ernst, trägt immer häufiger ein Fell, beginnt nachts zu jagen und übernimmt die unsteten Schlafphasen eines Tieres. Ihr Verhältnis zu ihrem sonst so zuverlässig performenden Maklerinnenkörper wird vielschichtiger und vitaler. Ihre Sinne weiten sich, verändern die Wahrnehmung von Welt und des eigenen Platzes darin. Und auch ihre Wesenszüge werden unberechenbarer und widersprüchlicher – wie die einer Katze eben.
Beim radikalen Fokus auf sich selbst ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Jahrbuch 2022
Rubrik: Neue Stücke, Seite 151
von Katrin Schmitz
Theater heute Ihr Forschungsprojekt «Kulturen der Ablehnung» begann schon vor Corona. Aber Sie haben sich darin auch schwerpunktmäßig mit Corona-Leugnern und ihren Gedankenwelten beschäftigt. Wie haben Sie sich diesem Forschungsfeld genähert? Wie sind Sie vorgegangen?
Alexander Harder Das Projekt begann 2019 mit der Frage, was die sozialen und kulturellen...
Uraufführungen
A
Abdul Abbasi und Philipp Löhle
Bombe! (Deutsches Theater Göttingen)
Johanna Adorján
Ciao (Bühnen Halle)
Emre Akal
Nachkommen – Ein lautes Schweigen! (Theater Münster) Göttersimulation (Münchner Kammerspiele)
Dogan Akhanli
Medea 38 / Stimmen (Theater Bonn)
Bachtyar Ali
Die Besetzung der Dunkelheit (Staatstheater Wiesbaden)
Suzanne...
1
Es gibt keine Gedichte über Krieg. Es gibt nur Zersetzung, heißt es bei der Dichterin Lyuba Yakimchuk. Also zerlegt sie die Wörter: Lu-hansk; Do-nezk; und zum Schluss des Gedichts ihren eigenen Namen: Nicht mehr Lyuba steht dort, sondern nur noch «ba!». Wobei die Formulierung «zerlegt sie» falsch ist, denn die Wörter, die Orte, die Menschen sind bereits zerlegt,...
