Wie Wissen in die Krise gerät
Theater heute Ihr Forschungsprojekt «Kulturen der Ablehnung» begann schon vor Corona. Aber Sie haben sich darin auch schwerpunktmäßig mit Corona-Leugnern und ihren Gedankenwelten beschäftigt. Wie haben Sie sich diesem Forschungsfeld genähert? Wie sind Sie vorgegangen?
Alexander Harder Das Projekt begann 2019 mit der Frage, was die sozialen und kulturellen Bedingungen für den politischen Rechtsruck sind, der sich in Deutschland, aber auch in anderen europäischen Ländern abzeichnete.
Wir forschen daher gemeinsam mit Teams aus Serbien, Kroatien, Österreich und Schweden. Alle diese Länder liegen entlang der 2015 etablierten Fluchtrouten durch Europa. Nach einer Phase anfänglicher «Willkommenskultur», so unsere Beobachtung, erstarkte etwas, das wir «Ablehnungskultur» nennen. Sie richtet sich gegen Unterschiedliches: gegen Migration, aber auch gegen Politik, Medien, zivil -gesellschaftliche Akteure und vieles mehr. Die Forschung zu politischen Einstellungen zeigt, wie weit solche Haltungen verbreitet sind. Aber wie sich die Erzählungen und Praktiken der Ablehnungskultur festsetzen und wie sie zu akzeptierten Erklärungen für die Gesellschaft werden können, bleibt unklar. Daher haben wir ...
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Theater heute Jahrbuch 2022
Rubrik: Risiko, Seite 14
von
Fangen wir mit den schwierigen Nachrichten an: 15 Kritiker:innen ist dieses Jahr kein Haus eingefallen, das sie guten Gewissens zum «Theater des Jahres» küren möchten. Ist die Branche erschlagen von pandemiebedingt angestauter Premierenfülle, vielen Ausfällen und Unsicherheiten? Oder ist nach halbwegs überstandenem Corona-Desaster eigentlich jede Bühne ein Sieger?...
Möglicherweise waren es die plötzlich gewonnene Zeit des Reflektierens und die Leerlauf-Phasen der Lockdowns, die die strukturellen Probleme der Theaterbetriebe deutlicher denn je in aller Munde gebracht haben. Probleme, die lange vor sich hin gegärt haben und nun geradezu herausquellen aus den Theatern. Die Liste ist lang. Hat die Pandemie-Erfahrung zu einem...
Falk Schreiber Lina Beckmann, ich möchte zunächst über Karin Henkels Shakespeare-Überschreibung «Richard the Kid & the King» am Hamburger Schauspielhaus reden, in der Sie die Hauptrolle spielen. Was ist dieser Richard eigentlich für eine Figur? Warum ist der so, wie er ist?
Lina Beckmann Eine Frage, die wir uns gestellt haben, ist: Wird jemand so, wie er ist, weil...
