Wie Wissen in die Krise gerät

Ein Gespräch über das Forschungsprojekt «Kulturen der Ablehnung» mit Manuela Bojadžijev und Alexander Harder: Wie ticken Corona-Leugner, Verschwörungsideologen, rechte Populisten, und warum gibt es eine Expertenkultur, die ihre Expertise verliert? Und welche Rolle spielen dabei Internet und Plattformökonomie?

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Theater heute Ihr Forschungsprojekt «Kulturen der Ablehnung» begann schon vor Corona. Aber Sie haben sich darin auch schwerpunktmäßig mit Corona-Leugnern und ihren Gedankenwelten beschäftigt. Wie haben Sie sich diesem Forschungsfeld genähert? Wie sind Sie vorgegangen?
Alexander Harder Das Projekt begann 2019 mit der Frage, was die sozialen und kulturellen Bedingungen für den politischen Rechtsruck sind, der sich in Deutschland, aber auch in anderen europäischen Ländern abzeichnete.

Wir forschen daher gemeinsam mit Teams aus Serbien, Kroatien, Österreich und Schweden. Alle diese Länder liegen entlang der 2015 etablierten Fluchtrouten durch Europa. Nach einer Phase anfänglicher «Willkommenskultur», so unsere Beobachtung, erstarkte etwas, das wir «Ablehnungskultur» nennen. Sie richtet sich gegen Unterschiedliches: gegen Migration, aber auch gegen Politik, Medien, zivil -gesellschaftliche Akteure und vieles mehr. Die Forschung zu politischen Einstellungen zeigt, wie weit solche Haltungen verbreitet sind. Aber wie sich die Erzählungen und Praktiken der Ablehnungskultur festsetzen und wie sie zu akzeptierten Erklärungen für die Gesellschaft werden können, bleibt unklar. Daher haben wir ...

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Theater heute Jahrbuch 2022
Rubrik: Risiko, Seite 14
von

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