Zwischen den Zeilen

Zeitgenössische Belletristik auf Hamburger Bühnen: Christopher Rüping dramatisiert am Thalia Theater Mieko Kawakamis «Brüste und Eier», Dušan David Parízek am Deutschen Schauspielhaus Viktor Martinowitschs «Revolution»

Angeblich hasst es das Publikum, wenn es zum Mitmachen animiert werden soll. In Christopher Rüpings Inszenierung von Mieko Kawakamis Roman «Brüste und Eier» am Hamburger Thalia Theater aber lassen sich die Zuschauer:innen begeistert direkt angehen. «Hallo …», lächelt Maike Knirsch zu Beginn schüchtern in den Saal, «Hallo!» schallt es aufmunternd zurück. Worauf Knirsch sich mehr traut. Jetzt bitte mal die Hand heben, wer Kinder hat. Und wer gerne welche hätte. Und schließlich: weswegen eigentlich? Da gehen allerdings die Meinungen auseinander.

«Man ist nicht alleine» tönt es aus dem Rang, «es macht Spaß» von hinten, in der Saalmitte betont eine Frau, dass Nachwuchs immer wieder neue, junge, talentierte Schauspieler:innen hervorbringen würde, da freut sich die 27-Jährige. «Woher soll man denn wissen, dass man Kinder will», fragt sich Knirsch. «Vielleicht ist es die Natur, die da aus einem spricht?» Worauf ein letzter Zuschauer sich einmischt: «Oder der Opa!» Und hiermit ist der inhaltliche Gehalt von Rüpings Romanbearbeitung eigentlich schon gut zusammengefasst. 

Kawakamis Vorlage erzählt abschweifungsreich von der Nachwuchsschriftstellerin Nat -suko. Die lebt mehr oder weniger ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute 7 2022
Rubrik: Aufführungen, Seite 18
von Falk Schreiber

Weitere Beiträge
Unter der Dornenkrone

Es sollte eine Rückreise in eine neue, alte Normalität werden, der Ausflug zu den Passionsspielen nach Oberammergau im idyllischen Oberbayern: ein Groß-Event, 4500 Menschen ohne Maskenpflicht in einem Raum, kaum noch vorstellbar nach den letzten beiden kontaktreduzierten Corona-Jahren, die auch die Passionsspiele ausbremsten. Doch schon im Zug von Berlin nach...

An der Abtastnadel

Ja damals, 9 n. Chr. bei Kalkriese, siegten die Germanen, und ja damals, 1982 in Bochum, siegte Claus Peymann über Kleists angeblich unspielbares Kriegsdrama «Die Hermannsschlacht». Auch damals konnte man schon lachen über Thuschen, ihren Hermann und ihren römischen Verehrer Ventidius. Peymanns «Hermannsschlacht» war ein Theatertriumph. Zur Feier, dass es nun 40...

Zwei Internationalitäten

Ein internationales Festival wollen die Ruhrfestspiele sein. Und das können sie nun endlich wieder, nach dem Ende der coronabedingten Beschränkungen. Die internationalen Produktionen, die teilweise schon vor zwei Jahren gezeigt werden sollten, nun sind sie da. William Kentridge, Romeo Castellucci und Phelim McDermott – drei große Namen im interkontinentalen...