Zumutung Liebe
Mutterliebe ist ein Konstrukt», konstatierte im «Spiegel» schnöde Elisabeth Bronfen, Expertin für Gender-Fragen – ein Kommentar von vielen, in der Regel erheblich rührseligeren zum Thema Kindsmord, das nicht nur die Vermischten Seiten zur Adventszeit füllte.
Acht tote Kinder in Darry und Plauen, von den eigenen Müttern getötet, im Wahn, aus sozialer Verwahrlosung, im Beziehungsdesaster, wer weiß das schon? Und zum Nikolaustag kam passend Maria Speths zuerst im letzten Februar bei der Berlinale gezeigter Film «Madonnen» ins Kino, die spröde Studie einer Gefühlskälte, die sich von der Mutter auf die Tochter fortzeugt, ein unheilvoller, kaum zu durchbrechender Kreislauf. Sandra Hüller spielt eine Mutter von fünf Kindern, zu denen sie keine Bindung zustande bringt, so sehr sie das möchte, und die sie am Ende verlässt, begründungslos, verzweiflungsfrei, unerklärt. Zwei Tage später die Premiere von Tom Lanoyes «Mamma Medea» in den Münchner Kammerspielen, die Aktualisierung des Prototyps aller Kindsmordgeschichten. Die Kindsmörderin: Sandra Hüller. Koinzidenzen.
Man dachte sie mit, doch Stephan Kimmigs Inszenierung spielte nicht mit ihnen. Das Thema des Tages schien ihn nicht einmal ...
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