Zumutung Liebe
Mutterliebe ist ein Konstrukt», konstatierte im «Spiegel» schnöde Elisabeth Bronfen, Expertin für Gender-Fragen – ein Kommentar von vielen, in der Regel erheblich rührseligeren zum Thema Kindsmord, das nicht nur die Vermischten Seiten zur Adventszeit füllte.
Acht tote Kinder in Darry und Plauen, von den eigenen Müttern getötet, im Wahn, aus sozialer Verwahrlosung, im Beziehungsdesaster, wer weiß das schon? Und zum Nikolaustag kam passend Maria Speths zuerst im letzten Februar bei der Berlinale gezeigter Film «Madonnen» ins Kino, die spröde Studie einer Gefühlskälte, die sich von der Mutter auf die Tochter fortzeugt, ein unheilvoller, kaum zu durchbrechender Kreislauf. Sandra Hüller spielt eine Mutter von fünf Kindern, zu denen sie keine Bindung zustande bringt, so sehr sie das möchte, und die sie am Ende verlässt, begründungslos, verzweiflungsfrei, unerklärt. Zwei Tage später die Premiere von Tom Lanoyes «Mamma Medea» in den Münchner Kammerspielen, die Aktualisierung des Prototyps aller Kindsmordgeschichten. Die Kindsmörderin: Sandra Hüller. Koinzidenzen.
Man dachte sie mit, doch Stephan Kimmigs Inszenierung spielte nicht mit ihnen. Das Thema des Tages schien ihn nicht einmal ...
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Im Jahr 1968 veranstaltet eine Gruppe von Studenten einen Stafettenlauf vom Theodor-Heuss-Platz, dem Sitz der damals frisch gegründeten Deutschen Film und Fernsehakademie Berlin, zum Rathaus Schöneberg. Mit einer roten Fahne in der Rechten reklamieren sie an Autos und Passanten vorbei hintereinander weg den Stadtraum. Inszeniert hatte diese Aktion der Filmer Gerd...
Petite Fleur» heißt das Etablissement, das mehr bodenständig als frivol über die Ausfallstraße am See grüßt. Neonbordüren illuminieren sparsam die klobige Fassade; träge blinken rote Herzen in den Fenstern. Früher war das robuste Zweieinhalb-Familienhaus schräg gegenüber der Roten Fabrik noch «eine wundervolle Vorstadtkneipe», in der der legendäre Tonmeister Dieter...
Wenn sich Ewald Palmetshofer nach seiner ersten, sehr erfolgreichen Wiener Uraufführung verbeugt, sieht das etwas ungewöhnlich aus. Der Oberkörper winkelt rechteckig in der Hüfte ab, die Arme schwingen nach hinten, und der Kopf bleibt hart in den Nacken geworfen, die Augen weit offen. Als Empfangshaltung eher für Peitschenhiebe als Applauswellen geeignet, und als...
