Italienische Riesen
Vorhang auf, und das Theater wird erst einmal zum Kino. Eine Filmleinwand verschließt die gesamte Bühnenöffnung. Darauf bremst mit quietschenden Reifen ein weißer Fiat 130, gleich dahinter das Fahrzeug der Eskorte. Maschinengewehrsalven. Schreie. Entsetzen. Wer sich noch regt, wird mit gezielten Schüssen niedergestreckt. Ein Mann wird aus dem Wagen gezerrt, in einen anderen verfrachtet, weggefahren. Nach wenigen Minuten ist alles vorbei: Keine Szene aus dem «Bourne Ultimatum», sondern die Rekonstruktion von Wirklichkeit.
In seinem Film «Piazza delle cinque lune» (2002/3) hat Renzo Martinelli den Überfall der Roten Brigaden auf Aldo Moro wie einen fiktionalen Politthriller nachgestellt. Den leicht angestaubten Fernsehritualen der 70er Jahre – die italienische Tagesschau TG1 in schwarz-weiß mit Live-Schaltung zum Ort des Hinterhalts – folgt ein Filmfragment aus dem «Volksgefängnis»: Moro beim Fotoshooting der Terroristen, bei dem das Porträt mit der vorgehaltenen «Repubblica» entsteht, das uns als mehrfach gebrochener Projektionsrahmen in die durch Lichtwechsel hergestellte Sphäre des Theatralen begleiten wird. Hinter dem Gazeschirm, der Distanz schafft wie ein Bildschirm, rückt ein ...
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IDie eigentlich erfreuliche Nachricht, dass Kulturstaatsminister Neumann für diverse Kulturvorhaben 400 Millionen Euro mehr aufgetan hat, erzeugte in zwei maßgeblichen Zeitungen geradezu schockhafte Wirkung. In der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung» und in der «Süddeutschen Zeitung» zeigten sich Nils Minkmar und Thomas Steinfeld äußerst besorgt, dass es zu...
Wenn sich Ewald Palmetshofer nach seiner ersten, sehr erfolgreichen Wiener Uraufführung verbeugt, sieht das etwas ungewöhnlich aus. Der Oberkörper winkelt rechteckig in der Hüfte ab, die Arme schwingen nach hinten, und der Kopf bleibt hart in den Nacken geworfen, die Augen weit offen. Als Empfangshaltung eher für Peitschenhiebe als Applauswellen geeignet, und als...
Beige sind die Trennwände in diesem Tonstudio, lang der Backenbart des Schlagzeugers und auch das Haupthaar des Hippiemädchens, das seine schwarzen Strähnen zupft und dabei die Augen devot weitet (sie gehören der Tänzerin Arantxa Martinez). Im hinteren Zentrum thront ein Turm, in dessen Erdgeschoss die Mixing-Konsole steht, der Kontrollraum der Aufnahme. Weil die...
