Italienische Riesen
Vorhang auf, und das Theater wird erst einmal zum Kino. Eine Filmleinwand verschließt die gesamte Bühnenöffnung. Darauf bremst mit quietschenden Reifen ein weißer Fiat 130, gleich dahinter das Fahrzeug der Eskorte. Maschinengewehrsalven. Schreie. Entsetzen. Wer sich noch regt, wird mit gezielten Schüssen niedergestreckt. Ein Mann wird aus dem Wagen gezerrt, in einen anderen verfrachtet, weggefahren. Nach wenigen Minuten ist alles vorbei: Keine Szene aus dem «Bourne Ultimatum», sondern die Rekonstruktion von Wirklichkeit.
In seinem Film «Piazza delle cinque lune» (2002/3) hat Renzo Martinelli den Überfall der Roten Brigaden auf Aldo Moro wie einen fiktionalen Politthriller nachgestellt. Den leicht angestaubten Fernsehritualen der 70er Jahre – die italienische Tagesschau TG1 in schwarz-weiß mit Live-Schaltung zum Ort des Hinterhalts – folgt ein Filmfragment aus dem «Volksgefängnis»: Moro beim Fotoshooting der Terroristen, bei dem das Porträt mit der vorgehaltenen «Repubblica» entsteht, das uns als mehrfach gebrochener Projektionsrahmen in die durch Lichtwechsel hergestellte Sphäre des Theatralen begleiten wird. Hinter dem Gazeschirm, der Distanz schafft wie ein Bildschirm, rückt ein ...
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Nach Lars-Ole Walburgs Düsseldorfer «Orestie» lässt sich noch besser nachvollziehen, warum Michael Thalheimer in seiner Berliner Inszenierung 2006 den dritten Teil, «Die Eumeniden», gestrichen hat. Die Wucht der Tragödie, auf die es hier ankommt, ist mit einer unentschieden endenden Abstimmung, mit dem Schlichterspruch einer gütigen Pallas Athene, also mit Friede...
Petite Fleur» heißt das Etablissement, das mehr bodenständig als frivol über die Ausfallstraße am See grüßt. Neonbordüren illuminieren sparsam die klobige Fassade; träge blinken rote Herzen in den Fenstern. Früher war das robuste Zweieinhalb-Familienhaus schräg gegenüber der Roten Fabrik noch «eine wundervolle Vorstadtkneipe», in der der legendäre Tonmeister Dieter...
Theater heuteWir wollen uns mit der Frage beschäftigen, ob und wie man tatsächlich «Theater gegen Rechts» machen kann. So nennt sich eine Aktion der Theater in Sachsen-Anhalt. Sie, Stefan Schnabel, haben als Dramaturg von Volker Löschs Dresdner «Woyzeck»-Inszenierung im Begleitbuch geschrieben, der Dresdner Bürgerchor solle «einen Bericht zur Lage der Nation...
