Italienische Riesen

Theater in Rom: Ein Dokumentardrama um Aldo Moro 30 Jahre später und Pirandellos «Riesen vom Berge», inszeniert vom Ex-Avantgardisten Federico Tiezzi

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Vorhang auf, und das Theater wird erst einmal zum Kino. Eine Filmleinwand verschließt die gesamte Bühnenöffnung. Darauf bremst mit quietschenden Reifen ein weißer Fiat 130, gleich dahinter das Fahrzeug der Eskorte. Maschinengewehrsalven. Schreie. Entsetzen. Wer sich noch regt, wird mit gezielten Schüssen niedergestreckt. Ein Mann wird aus dem Wagen gezerrt, in einen anderen verfrachtet, weggefahren. Nach wenigen Minuten ist alles vorbei: Keine Szene aus dem «Bourne Ultimatum», sondern die Rekonstruktion von Wirklichkeit.

In seinem Film «Piazza delle cinque lune» (2002/3) hat Renzo Martinelli den Überfall der Roten Brigaden auf Aldo Moro wie einen fiktionalen Politthriller nachgestellt. Den leicht angestaubten Fernsehritualen der 70er Jahre – die italienische Tagesschau TG1 in schwarz-weiß mit Live-Schaltung zum Ort des Hinterhalts – folgt ein Filmfragment aus dem «Volksgefängnis»: Moro beim Fotoshooting der Terroristen, bei dem das Porträt mit der vorgehaltenen «Repubblica» entsteht, das uns als mehrfach gebrochener Projektionsrahmen in die durch Lichtwechsel hergestellte Sphäre des Theatralen begleiten wird. Hinter dem Gaze­schirm, der Distanz schafft wie ein Bildschirm, rückt ein ...

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Theater heute Februar 2008
Rubrik: Magazin/Ausland, Seite 57
von Sabine Heymann

Vergriffen
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