Futur gestern

Rebekka Kricheldorf «Neues Glück mit totem Model»

Theater heute - Logo

Man stelle sich vor, die Erde wäre 500 Jahre weiter und alle Unzulänglichkeiten der gegenwärtigen Weltlage in einem futuristischen «Bestland» gelöst. Rebekka Kricheldorfs Brave New World sieht zu diesem Zweck ein staatlich verordnetes Gleichheitsregime vor, mit dem verglichen jeder vergangene Einheitssozialismus ein hemmungsloser Individualisierungsexzess war.

Einzige Abwechslung für die restlos gleichgeschalteten Bestländer bietet eine jährliche landesweite Lotterie, deren Gewinner mit einem grünen Pass glücksgestraft werden, der lebenslange absolute Freiheit garantiert – einschließlich das Recht auf Mord und Totschlag.

In «Neues Glück mit totem Model» werden dann einige prototypische Verhaltensweisen der schrankenlosen Freiheitsopfer vorgeführt: Der Vorjahressieger ergötzt sich an autistischem
Narzissmus, seine Vorgängerin an fanatischem Gutmenschentum. Etwas härter ist der aktuelle Supermann Don Mond drauf. Nach Phasen von Konsumrausch und Askese verfällt er auf Sex mit der attraktiven nationalen Nachrichtensprecherin Nadja Nadja, die dergleichen allerdings schon bis zum Überdruss gewohnt ist. Um ihr etwas zu imponieren, wird sie dann mit der Kettensäge zerlegt – und weil’s so ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Februar 2008
Rubrik: Chronik, Seite 47
von Franz Wille

Vergriffen
Weitere Beiträge
Die Rechten sind nicht nur die anderen

Theater heuteWir wollen uns mit der Frage beschäftigen, ob und wie man tatsächlich «Theater gegen Rechts» machen kann. So nennt sich eine Aktion der Theater in Sachsen-Anhalt. Sie, Stefan Schnabel, haben als Dramaturg von Volker Löschs Dresdner «Woyzeck»-Inszenierung im Begleitbuch geschrieben, der Dresdner Bürgerchor solle «einen Bericht zur Lage der Nation...

Totenmesse für den Rockkult

Beige sind die Trennwände in diesem Tonstudio, lang der Backenbart des Schlagzeugers und auch das Haupthaar des Hippiemädchens, das seine schwarzen Strähnen zupft und dabei die Augen devot weitet (sie gehören der Tänzerin Arantxa Martinez). Im hinteren Zentrum thront ein Turm, in dessen Erdgeschoss die Mixing-Konsole steht, der Kontrollraum der Aufnahme. Weil die...

Spiel’s noch einmal, Sam

Im Jahr 1968 veranstaltet eine Gruppe von Studenten einen Stafettenlauf vom Theodor-Heuss-Platz, dem Sitz der damals frisch gegründeten Deutschen Film und Fernsehakademie Berlin, zum Rathaus Schöneberg. Mit einer roten Fahne in der Rechten reklamieren sie an Autos und Passanten vorbei hintereinander weg den Stadtraum. Inszeniert hatte diese Aktion der Filmer Gerd...