Zukunft, die es nie geben wird
Die Fische sind weg! Fünf dicke, weiß-rote Goldkarpfen, die in ihren vier gläsernen Wänden in einem Eck des Cafés Schaubühne sozusagen zum dekorativen Inventar gehörten und es als solche sogar auf das Cover eines Bildbandes über Bühnenbildner Jan Pappelbaum geschafft haben, sind verschwunden. Irgendetwas muss ihnen nicht bekommen sein an unserer Zeit. Jetzt schwimmen im leeren Aquarium nur noch ein paar undefinierbar winzige Teilchen herum, als wären die einst prächtigen Bewohner einem Anfall von wechselseitig-kollektivem Kannibalismus zum Opfer gefallen.
Vor allem aber zeigt sich mal wieder: Erst der Verlust macht das Verlorene in der Erinnerung tatsächlich sichtbar.
«In zwei-, dreihundert Jahren wird das Leben auf der Erde unvorstellbar schön sein …», lässt Tschechow einen seiner lebenskranken Zukunftsjunkies im Salon der Prosorows prophezeien, und weiter fantasiert Oberst Werschinin: «Der Mensch braucht so ein Leben, und wenn er es noch nicht hat, muss er es vorausahnen, muss darauf warten, davon träumen, sich darauf vorbereiten …» Gut hundert Jahre sind seither vergangen, Zeit also für eine vorsichtige Zwischenbilanz, und die sieht, sind wir mal ehrlich, nicht gut aus. Von dem ...
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Links oben am Portal findet sich ein schönes Beispiel für Kontinuität. Ein Logo, das in seiner auffälligen Unauffälligkeit mehr für Österreich steht als Stephansdom und Mozartkugel zusammen: Die weiße Zigarette mit rotem Kreis hängt seit vielen Jahrzehnten im zeitlos neusachlichen Design an jeder der mehreren tausend übers Land verteilten Tabak-Trafiken. Das...
War da was? Oder besser: Was war da? Denn eigentlich hat ja niemand die «Copa da Cultura» übersehen können, diesen Marathon der Künste, den Brasilien, das Aufsteiger-Land mit den maßlos überschätzten WM-Favoriten, dem Gastgeberland des Kicker-Gipfels beschert hatte, pünktlich zu Beginn mit dem feinen kleinen Festival «Brasil em Cena» auf den Berliner HAU-Bühnen,...
Odysseus bleibt 20 Jahre von zuhause fort: Erst führt er Krieg gegen Troja, dann irrt er auf den Weltmeeren und in den Betten von Calypso und Kirke umher. Seine Gattin Penelope hält ihm 20 Jahre lang die Treue und die über hundert Freier, die sie umschwärmen, auf Distanz. So weit, so bekannt. Aber wie geht es eigentlich Telemach, dem gemeinsamen Sohn? Der ist in...
