Zivilisation ist, wenn man trotzdem lügt
Links oben am Portal findet sich ein schönes Beispiel für Kontinuität. Ein Logo, das in seiner auffälligen Unauffälligkeit mehr für Österreich steht als Stephansdom und Mozartkugel zusammen: Die weiße Zigarette mit rotem Kreis hängt seit vielen Jahrzehnten im zeitlos neusachlichen Design an jeder der mehreren tausend übers Land verteilten Tabak-Trafiken. Das staatliche Tabakmonopol von «Austria-Tabak» hat Joseph II. anno 1792 geschaffen, und es hat die Habsburger genauso überlebt wie Hitler.
Erst die EU hat dem konkurrenzfeindlichen Treiben ein Ende gesetzt, seit der Zwangsprivatisierung 1996 gehört die «Austria Tabak» zum Gallaher-Konzern («Benson & Hedges»). Aber die alte Stammmarke «Memphis» regiert in der Alpenrepublik wie eh und je, und im Schatten des blauen Donaudunsts hat ein anderes Monopol bis heute überlebt. Denn die Tabak-Trafiken selbst werden nach wie vor staatlich vergeben, früher an Kriegsversehrte oder schlecht versorgte Witwen, heute bevorzugt an Behinderte. Und die MVG, die staatliche Monopolverwaltung zur Trafikvergabe, rühmt sich noch heute, dass an jedem vierten Tag durch die Vergabe einer Lizenz einem Menschen eine Existenz geschaffen werde. Die EU geht das ...
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Herrlich frech, dieser Einstieg. Tritt ein Komiker an die Rampe, faltet seine schlecht abgepuderte Visage zum Berufslächeln auseinander, zieht die unterste Schublade und schwelgt in Frauen- und Türkenwitzen der übelsten Sorte. Der Komiker heißt Thomas Mehlhorn, er spielt Daniel, die Hauptfigur in Michel Houellebecqs Roman «Die Möglichkeit einer Insel». Und er...
Wenn Freunde und Weggefährten sich an ihn erinnern, dann sprechen sie voller Zärtlichkeit von einem Wüstling. Von einem, so klingt das manchmal, der längst verloren war, bevor sie ihn verloren haben. Der rabiat mit sich und mit anderen umsprang und dabei höchst empfindsam – und empfindlich – war.
Mit Dieter Roth, dem 1998 verstorbenen vielseitigen Künstler,...
Einigermassen überrascht gab sich der Luzerner Schauspieldirektor Peter Carp im Nachhinein angesichts der Komplikationen, die sich aus der attraktiven Idee ergeben hatten, die er dem kleinen Theater mitten in der Schweizer Puppenstube bescherte. Kaum nämlich hatte sich das Luzerner Theater um die Aufführungsrechte an einem Text von Tennessee Williams bemüht und...
