Zürich: Allgemeine Staatsfäulnis
Von diesem Schatten geht nichts Gutes aus. Mondbleich starren die Schlosswächter aus ihrem Ausguckkasten heraus auf das Phantom, das über die nachtschwarze Zürcher Pfauenbühne schleicht. Polonius (Gottfried Breitfuß) steht dabei, Horatio auch (Edmund Telgenkämper), keinem will sich die Erscheinung erklären. Es ist der Geist der Endzeit, der hier umgeht. Das Personal jenes Dänenkönigs, der sich mit einem Brudergiftmord an die Macht geputscht hat, tut gut daran, sich aneinanderzupressen und vor dem schweigenden Schatten zu zittern.
Barbara Frey gibt mit William Shakespeares «Hamlet» eine vorletzte Probe ihrer gestrengen Bühnenästhetik als Zürcher Intendantin ab. Zum Finale der Saison sollen noch «Die Toten» nach James Joyce folgen, auch kein Abschlussparty-Stoff. Freys Hamlet in Gestalt des Berliner Ernst-Busch-Schauspielstudenten Jan Bülow hat wenig von einem Zauderer aus tieferer Einsicht, aber viel von der Überforderung eines blutjungen Prinzen, dem plötzliches Insider-Wissen über den Kopf wächst. Das Wissen kreist um die allgemeine Staatsfäulnis von Helsingör.
Schon eingangs hat dieser Hamlet allen Grund, sich die Finger ins Gesicht zu krallen. Die Mutter hat den Onkel ins ...
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Theater heute November 2018
Rubrik: Chronik, Seite 60
von Stephan Reuter
Mit Ignaz Kirchner stand ich in einer Gosch-Inszenierung von «Warten auf Godot» in Köln auf der Bühne, als Godot tatsächlich kam. Wir waren erlöst, bis sich dieser Kölner Godot – naturgemäß! – als Studenten-Ulk entpuppte.
Erst einmal stürmte ich hinter den Schmuckvorhang zum wartenden Ignaz. «Ignaz! Wir können in die ‹Glocke›, Milch trinken, Godot ist gekommen....
So einen Saisonauftakt wünscht man sich doch! So ein großes Get Together. Zwei der ersten Häuser ihrer jeweiligen Regionen schlagen eine Schneise durch die Republik und finden zum multimedialen Großevent zusammen: «Die Parallelwelt», parallel erarbeitet am Theater Dortmund und Berliner Ensemble, parallel aufgeführt, abgefilmt und live versendet auf die jeweils...
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Johan Simons packt wieder an: Vier Jahre nach seinem Abschied von den Münchner Kammerspielen übernimmt der 72-Jährige das traditionsreiche, aber zuletzt wenig glückliche Schauspiel Bochum.
Aufgeschoben ist nicht aufgehoben: Der schon für dieses Heft geplante Aufsatz über Theaterarchitektur als gebaute Ideologie.
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