Disziplin oder Konsequenz?
Mit Ignaz Kirchner stand ich in einer Gosch-Inszenierung von «Warten auf Godot» in Köln auf der Bühne, als Godot tatsächlich kam. Wir waren erlöst, bis sich dieser Kölner Godot – naturgemäß! – als Studenten-Ulk entpuppte.
Erst einmal stürmte ich hinter den Schmuckvorhang zum wartenden Ignaz. «Ignaz! Wir können in die ‹Glocke›, Milch trinken, Godot ist gekommen. Wir sind erlöst.» Dann kam Sanda Weigl, Jürgen Goschs damalige Assistentin und meine Frau.
Sie wollte verhindern, dass ich mit Ignaz in die «Glocke» verschwinde – zum harztrüben Rezina-Wein, den wir «Milch» nannten.
Sanda eilte hinaus zu dem Kölner Godot, der, nachdem ich das Weite gesucht hatte, hilf-, sprach- und ganz & gar pointenlos draußen auf dem von Axel Mantey so wunderbar skizzierten Weg stand. Das Publikum wurde unruhig, ich wollte endlich in die «Glocke», saufen, Ignaz nagte vergnügt an einem Requisiten-Hühner-Bein, da sagte Sanda Weigl zu dem bereits Buh-Rufen ausgesetzten Godot: «Ach, Herr G., kommen Sie doch bitte mit mir, hinter der Bühne wartet schon sehr lange Herr Beckett auf Sie.» Das Publikum quittierte den Gag mit Gejohle & Trampeln. Sanda Weigl verschwand mit dem Studenten-Ulk-Godot hinter dem ...
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Theater heute November 2018
Rubrik: Nachruf, Seite 44
von Klaus Pohl
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