Zu Tode gerettet
Man hört, bevor man sieht, schnelle Schritte, keuchenden Atem, Hundegebell und ein Platschen wie von einem Sprung ins Wasser. Auf einen Gazevorhang projiziert, schwappen nächtliche Wellen, dann ist da plötzlich ein Gesicht, Angst in aufgerissenen Augen: ein Mensch auf der Flucht, der gerettet wird – und sich am Ende resigniert die Kugel geben wird.
Maria Lazars Stück «Der blinde Passagier» entstand Ende der 1930er Jahre, als die österreichische Autorin jüdischer Abstammung auf der Flucht vor den Nazis vorübergehend im dänischen Exil lebte und ihr die Erfahrung von Vertreibung und Verfolgung frisch in den Knochen steckte. Gespielt wurde es damals nicht, dafür erfährt es jetzt als Wiederentdeckung aus dem lange verges -senen Nachlass endlich die verdiente Aufmerksamkeit: Denn es passt wie ein Messer in die Wunde auch in die heutige Zeit, in der eine aufgeklärte Gesinnung und moderate Menschenfreundlichkeit längst nicht mehr reichen, um dem grassierenden, himmelschreienden Unrecht etwas Wirksames entgegenzusetzen. Das bringt Maria Lazar in ihrer mal saloppen, mal nüchtern scharf -kantigen Sprache auf den Punkt: «Die Menschen sind nicht schlecht. Sie sind nur leider Gottes sehr ...
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Theater heute August-September 2026
Rubrik: Chronik, Seite 62
von Silvia Stammen
Figuren
Lin, 24
Ming, 36, Lins Bruder
Sarah, 27
Mr. Mouse, 52
Feng, 27
Ein paar Mäuse
Sarah und Feng sind in Berlin, alle anderen in Beijing. Die Mäuse können von allen im Ensemble gespielt werden.
SZENE 1 Jemand aus der Stadt
Mr. Mouse Ich gehe frühmorgens gerne laufen, in der Nähe meiner Wohnung, es ist eine saubere, ruhige Gegend. Am liebsten laufe ich um den...
Erinnern Sie sich an das heiße Wochenende Ende Juni, mit Temperaturen über 40 Grad? Ich mich schon, denn mein Besuch des Theaterstücks «Nastia» im TD Berlin glich einer betreuten Saunasitzung. Mit jedem Treppenhausabsatz im ehemaligen Fernmeldeamt in Berlin Mitte wurde es wärmer; im 2. OG fächelten sich wartende Zuschauer:innen mit Programmzetteln Luft zu. Ein...
Am Ende herrscht Chaos auf der Bühne: äußeres Bild als Ergebnis innerer Vorgänge. Ist ja ein alter Theatertrick: in Ordnung beginnen, zum Beispiel auf einer leeren, schwarz ausgekleideten Bühne. Dann Stück für Stück selbige verdrecken mit Erde, Schlamm, Lametta und Rotweinblut. Der Scheinwerferhimmel senkte sich Stück für Stück ab und engt nun ein. Gießkannen,...
