Zu Tode gerettet
Man hört, bevor man sieht, schnelle Schritte, keuchenden Atem, Hundegebell und ein Platschen wie von einem Sprung ins Wasser. Auf einen Gazevorhang projiziert, schwappen nächtliche Wellen, dann ist da plötzlich ein Gesicht, Angst in aufgerissenen Augen: ein Mensch auf der Flucht, der gerettet wird – und sich am Ende resigniert die Kugel geben wird.
Maria Lazars Stück «Der blinde Passagier» entstand Ende der 1930er Jahre, als die österreichische Autorin jüdischer Abstammung auf der Flucht vor den Nazis vorübergehend im dänischen Exil lebte und ihr die Erfahrung von Vertreibung und Verfolgung frisch in den Knochen steckte. Gespielt wurde es damals nicht, dafür erfährt es jetzt als Wiederentdeckung aus dem lange verges -senen Nachlass endlich die verdiente Aufmerksamkeit: Denn es passt wie ein Messer in die Wunde auch in die heutige Zeit, in der eine aufgeklärte Gesinnung und moderate Menschenfreundlichkeit längst nicht mehr reichen, um dem grassierenden, himmelschreienden Unrecht etwas Wirksames entgegenzusetzen. Das bringt Maria Lazar in ihrer mal saloppen, mal nüchtern scharf -kantigen Sprache auf den Punkt: «Die Menschen sind nicht schlecht. Sie sind nur leider Gottes sehr ...
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Theater heute August-September 2026
Rubrik: Chronik, Seite 62
von Silvia Stammen
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Matthias von Hartz Die Frage, die man stellen könnte, ist: Warum erst jetzt? Man hätte das wahrscheinlich vor zehn Jahren machen müssen.
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