The Hope-Business
Hilfe, dieser Film macht sentimental! Selbst wenn das Living Theatre im eigenen Mythenhaushalt kaum eine Rolle spielt, selbst wenn man wie der Regisseur Christoph Schlingensief im DVD-Bonusmaterial fest davon überzeugt ist, es sei «totaler Blödsinn» zu glauben, ein Theaterstück könne politisch etwas bewirken: Dirk Szuszies Dokumentarfilm «Resist» rührt empfindlich an schon etwas angegilbte Zeltlagergefühle, Weltreiseambitionen und Jeder-Mensch-ist-ein-Künstler-Überzeugungen.
Wirklich sehenswert macht den 2003 herausgekommenen und jetzt auf DVD erschienenen Film jedoch die Tatsache, dass das Living Theatre diese klassischerweise der Adoleszenz zugeordneten Gefühlslagen und Praktiken auf konsequente und beängstigend ungebrochene Weise konserviert hat. Und zwar bis ins hohe Alter: Judith Malina, die die Truppe 1947 zusammen mit dem 1985 verstorbenen Julian Beck gegründet hat, zählt mittlerweile fitte 83. Die engsten Getreuen sind zwar noch zwanzig, dreißig Jahre jünger, müssen aber ebenfalls erste Gebrechen und Grausträhnen im Langhaar registrieren.
Nichtsdestotrotz ist das Living noch um die Jahrtausendwende dorthin gereist, wo es politisch gebrannt hatte oder noch brannte. Regisseur ...
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Ja, «warum können wir nicht ein Leben lang Kinder bleiben?» Warum nicht einfach stehenbleiben im Zustand nicht der Unschuld, sondern der Ahnungslosigkeit, die von Vergänglichkeit noch nichts weiß und an die Auflösung in der Liebe als Dauerzustand glauben kann? Und in der süßen Verantwortungslosigkeit fürs eigene Leben? Die Frage stellte Ferdinand Bruckner 1926 in...
Ein Wesen von zarterer, frommerer und lieberer Art müsst ihr euch nicht denken, und kämt ihr auf Flügeln der Einbildung, zu den lieben kleinen Engeln» – gemeint ist hier in naturgemäß realitätsferner väterlicher Wahrnehmung die eigene Tochter, das Käthchen, eine kleine, mollige Göre, die grimassierend des Vaters Ausführungen kommentiert. Vater Theobald Friedeborn,...
Spannungsarm lehnt der Gatte an der Küchenzeile. Die Frau hat sich in einen Wutanfall hineingesteigert, schreit «du elender Kerl» und streicht sich eine absichtsvoll drapierte Grauhaarsträhne aus dem Gesicht. Er wolle jetzt «keine kleinkarierte Rechnung aufmachen», erwidert der Gatte in stilechtem Vorabendseriendeutsch und sitzt die Sache erst mal aus. Man scheint...
