Zerbrechlich bleiben

Wie Johan Simons die Münchner Kammerspiele in ein internationales Stadttheater verwandelt und damit Theater des Jahres wird

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Ein kahles Gästeappartement, hineingestellt in die große Spielhalle der Münchner Kammerspiele. Zwei Männer treten auf, beide um die Dreißig, der eine spillerig dürr, der andere das Gegenteil davon. Sie ziehen sich splitternackt aus und sind zwei Stunden lang einfach da. Ohne ein Wort zu sprechen, spielen sie alle Phasen einer menschlichen und künstlerischen Begegnung. Eine halbe Stunde lang stehen sie sich Auge in Auge gegenüber und verknoten die Arme, mal heftig und mal sanft, Berührung provozierend, geschehen lassend und abwehrend. Später wird auch noch geküsst und gekämpft.

Jede Bewegung, die passiert, die Umarmung ebenso wie das keuchende Kräftemessen, ist real und dabei doch reines Theater, von zwei Profi-Akteuren in jeder Sekunde so gewollt, die bewusste Verabredung, etwas zu zeigen im Einklang mit sich selbst und jenseits von jedem Als-ob. So einfach, so klar, so ungeschützt und un-verschämt – ein, wenn man sich darauf einlassen mag, zarter und anrührend freier Abend und eine wohltuende Konzentration auf den Kern dessen, was Theater sein kann: den Blick auf das Andere und über dieses wiederum auf sich selbst zu richten. Man fühlt sich angenehm erinnert an den großen alten ...

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Theater heute Jahrbuch 2013
Rubrik: Theater des Jahres, Seite 120
von Silvia Stammen

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