Der unendliche Kollaps
Einer kann nicht schlafen. Ein anderer hört die Stimme Gottes. Wieder ein anderer ruft die Polizei. Einer kann sich nicht erinnern. Ein anderer fragt, wie viel Zeit ihm noch bleibt. Wieder ein anderer kennt keine Angst …
Nahezu endlos ließe sich diese Aufzählung von kleinen Handlungssequenzen fortführen. Denn das neue Stück der britischen Autorin Caryl Churchill, die seit den siebziger Jahren die englische Dramatik maßgeblich beeinflusst, zeigt über hundert Figuren in rund fünfzig Szenen.
Nach inhaltlich und formal außergewöhnlichen Stücken wie «Far away» oder «Drunk enough to say I love you» hat die inzwischen 74-jährige Dramatikerin ein neues Experiment gewagt und ist damit ganz am Puls der Zeit. «Liebe und Information» ist ein irrwitziges Szenenkaleidoskop, in dem keine Figur zweimal auftritt, in dem das Banale neben dem Beunruhigenden, das Komische neben dem Katastrophalen, Szenen von ein paar Zeilen neben mehrseitigen Dialogen stehen. Alle Elemente sind ohne wirklich erkennbare Hierarchie, nahezu gleichberechtigt, aneinandergereiht. Es entsteht eine sogartige Bewegung, wie man sie von Google-Suchaktionen kennt, in denen man sich von Link zu Link klickt, gleichzeitig immer ...
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Theater heute Jahrbuch 2013
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 167
von Friederike Engel
In Philipp Weiss’ Stücken treten massenweise Personen auf. Viele haben nur einen Auftritt oder eine kurze Szene zu verwalten, sind lediglich für Augenblicke Handlungsträger und kehren nie wieder. Ein Kosmos, wie von Paul Claudel ersonnen, tut sich auf: Zahlreiche Handlungsfäden und unterschiedlichste Figurenkonstellationen fügen sich, Szene um Szene, zu einem losen...
Ursprünglich hatte Charlotte Roos «Wir schweben wieder» mit dem Arbeitstitel «Brillen» überschrieben. Brillen stehen im Kontext des Stückes für eine bestimmte Weltanschauung, eine Haltung, eine gesellschaftspolitische Perspektive auf die Gegenwart. Sie stehen aber auch für mangelhaftes Sehvermögen, das die Autorin an einer Stelle als immer gleiche Kurzsichtigkeit...
Karin Beier, Stefan Bachmann und Armin Petras haben alle schon ein Theater geleitet. Und starten 2013 in ihre zweiten Intendanzen. Dabei ist der Beruf zwischen Theaterbetrieb, Kulturpolitik und künstlerischem Anspruch nicht einfacher geworden. Was wird im zweiten Anlauf anders? Welche Erfahrungen nimmt man mit? Welche Fehler will man kein zweites Mal machen? Und...
